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Der Griff in die Kiste

30. August 2022, 8:43 Uhr | Heiko Ehmer und Thomas Franke

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Vorteile gegenüber Menschenhand

Der Griff in die Kiste
Bild 1. Aufschlüsselung des Greifprozesses eines Roboters in Unterprozesse
© EDAG Group

Bin Picking ist vor allem dann sinnvoll, wenn Beschäftigte eintönige und/ oder risikobehaftete Tätigkeiten ausführen. Ziel hierbei ist es, die Belegschaft zu schützen und sie stattdessen für risikoärmere und zugleich anspruchsvollere Tätigkeiten einzusetzen. Dies ist besonders vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels von großer Bedeutung, um einen attraktiven Arbeitsplatz zu schaffen.

Ein Beispiel: Stanzteile sind vor dem Entgraten scharfkantig und stellen somit eine hohe Schnittgefahr für die Beschäftigten dar. Schnittfeste Handschuhe schränken die Mobilität, das Fingergefühl sowie die Fingerfertigkeit ein. Vor allem das Greifen kleiner Teile ist mit solchen Handschuhen problematisch. Doch diese Tätigkeit kann problemlos durch eine Bin Picking-Lösung ersetzt werden.

Auch besondere Umwelteinflüsse, wie beispielsweise Dämpfe oder Hitze, stellen eine Gefährdung für den Menschen dar. Auf einen Roboter hingegen haben diese keine Auswirkungen, während ein Mensch mit entsprechenden Atemschutzmasken und gegebenenfalls Schutzkleidung in einem solchen Bereich arbeiten muss. Desgleichen kann ein Roboter die Beschäftigten bei schweren Bauteilen oder ergonomisch schlecht erreichbaren Produkten entlasten und Arbeitsabläufe optimieren.

Besonders eintönige, manuelle Tätigkeiten wie beispielsweise das Sortieren, Kommissionieren oder Konfektionieren führen bei fehlender Abwechslung zu Konzentrationsverlust beim Mitarbeiter. Sobald diese Tätigkeiten in kurzen Zykluszeiten oder unter Zeitdruck durchgeführt werden, kommt es zu unbeabsichtigten Fehlern. Automatisierung mit Bin Picking hilft, diese Art von Fehlern zu verhindern.

Weitere Anwendungsfälle

Der Griff in die Kiste
Bild 2. Links: Kamerabild mit ausgewählter Schraube; rechts: unbearbeitetes Kamerabild
© EDAG Group

Einsatzmöglichkeiten und Einsatzbereiche des Bin Picking sind vielfältig. Die beschriebene Schrauben-Anwendung ist eine Mischung aus Pick & Place-Anwendung und dem Sortieren von unterschiedlichen Waren. Weiterhin kann Bin Bicking unter anderem zur Vorkommissionierung oder Konfektionierung von Teilen in der Logistik verwendet werden. Auch ein Einsatz bei Montageaufgaben sowie Qualitätskontrollen im Maschinen- und Automobilbau, der Lebensmittelindustrie sowie zahlreichen weiteren Bereichen ist möglich. Hierbei spielen Material und Form der Objekte keine Rolle. Zudem sind Mensch-Roboter-Kollaborationen möglich, wobei der Roboter beispielsweise schwere oder unhandliche Objekte bewegt und sie seinem menschlichen Gegenüber übergibt.

Von manueller Tätigkeit zum Griff in die Kiste

Die Autoren

Thomas Franke ist verantwortlich für Robotik und Simulation bei EDAG Production Solutions in Eisenach.
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Heiko Ehmer ist Projektleiter Engineering bei EDAG Production Solutions in Eisenach.
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Vor der Einführung eines Bin Picking-Prozesses ist zunächst eine genaue Analyse des Ist-Prozesses notwendig. Dabei ist eine Vielzahl an Fragen zu beantworten – beispielsweise, welches Teilespektrum das Greifwerkzeug abdecken muss, wie stark sich diese in ihrer Form voneinander unterscheiden und um was für einen Prozess es sich handelt. Eine individuelle Machbarkeitsanalyse vor Ort klärt anschließend das weitere Vorgehen. Zudem gibt es optionale Erweiterungen, die sich in den Prozess einbinden lassen. Dazu gehört unter anderem die lückenlose Prozessüberwachung mit Dokumentation und Einbindung in eine übergeordnete Steuerung. 


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