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Der Greifer wird zum Prüfgerät

28. November 2019, 11:30 Uhr   |  Andreas Knoll

Der Greifer wird zum Prüfgerät
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Markus Glück, Schunk: "Der Greifer wird künftig in der Lage sein, über Gut- und Schlechtteile zu entscheiden."

Greifer für die Industrierobotik nehmen künftig Bauteile nicht mehr nur auf und positionieren sie, sondern unterziehen sie einer Gut/Schlecht-Prüfung und dokumentieren die Prozessstabilität. Prof. Markus Glück, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung bei Schunk, nimmt Stellung.

Welche Trends zeigen sich derzeit bei Greifern für die klassische nicht-kollaborative Industrierobotik?

Markus Glück: In der nicht-kollaborativen Industrierobotik gibt es einen klaren Trend zur Mechatronisierung und zu intelligenten Greifern. Wir gehen davon aus, dass sich der Aspekt des Greifens grundlegend wandeln wird.

Inwiefern?

Markus Glück: Der Greifer wird künftig in der Lage sein, über Gut- und Schlechtteile zu entscheiden, mit selbst erfassten Messdaten Dokumentationen zu erstellen und beispielsweise die Qualität der Bauteile zu bewerten und so zur lückenlosen Traceability beizutragen. Mittelfristig werden Greifsysteme statistische Auswertungen ermöglichen, wie etwa die Overall Equipment Effectiveness, die Prozessfähigkeit, die Mean Time Between Failure sowie Trendentwicklungen wie etwa Parameterdrift oder Anstiege der Ausfallraten.

Der Greifer wird also zum Bauteilprüfer und Prozessüberwacher?

Markus Glück: Ja. Smarte Greifer mit großen Hüben, wie unser Technologieträger auf Basis des ‘Schunk EGL’, sind schon heute in der Lage, mithilfe ihrer integrierten Greifkraft- und Greifwegkontrolle auch minimale Abweichungen der Eigenschaften gegriffener Objekte präzise zu detektieren. Sie liefern in Echtzeit Leistungs- und Effizienzkennzahlen zur Prozessstabilität, so dass eine zuverlässige 100-Prozent-Kontrolle im laufenden Produktionsprozess möglich ist. Zudem eröffnen sie die Chance, situativ angepasst in Echtzeit zu reagieren, indem sie beispielsweise die Prozessführung autonom anpassen, Alarmmeldungen geben oder Korrektursignale an Steuerungssysteme senden.

Wie schaut es bei der kollaborativen Industrierobotik aus?

Markus Glück: In der kollaborativen Industrierobotik geht der Trend zu einer Beschleunigung der Bearbeitungs- und einer Verringerung der Rüstzeiten sowie zu einer verbesserten Usability. Schunk stellt hierzu die durchgängige Produktreihe „Schunk Co-act EGP-C“ am Markt zur Verfügung und arbeitet an vereinfachten Inbetriebnahme-Routinen. Ein weiteres, sehr potenzialträchtiges Anwendungsfeld ergibt sich bei der Handhabung von Werkstückgewichten jenseits der Kleinteilemontage. Bislang konzentrierte sich der Einsatz von Cobots wegen der in ISO/TS 15066 festgelegten biomechanischen Limits vor allem aufs Kleinteile-Handling etwa in Montageanwendungen der Elektronikindustrie oder beim Pick & Place von Gehäusen, Dreh- und Frästeilen oder Leiterplatten. Unser Großhubgreifer „Schunk Co-act EGL-C“ ermöglicht nun erstmals variantenreiche, kollaborative Anwendungen mit Werkstückgewichten bis 2,25 kg; im Formschluss sind sogar bis 8 kg möglich. Gerade unter ergonomischen Gesichtspunkten ergeben sich damit große Potenziale, vor allem auch an Werkzeugmaschinen oder bei der Montage von Getrieben und sonstigen Baugruppen.

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