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Mensch-Roboter-Kooperation (MRK): Schunk schraubt Greifkraft auf 450 N hoch

Die bislang für kollaborative Anwendungen zertifizierten Seriengreifer waren meist in ihrer Greifkraft limitiert. Damit soll nun Schluss sein: Schunk bringt jetzt einen Großhubgreifer auf den Markt, der Greifkräfte bis 450 N realisieren und Gewichte bis 2,25 kg handhaben kann.

Kallaborativ greifen, Schunk Bildquelle: © Schunk

Die Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) in gemeinsam genutzten Arbeitsräumen steht vor dem Durchbruch. Hauptanliegen sind die Verbesserung der Ergonomie, die Flexibilisierung von Arbeitsprozessen, die Steigerung der Effizienz sowie die Optimierung von Logistik-, Handhabungs- und Beladungsprozessen. Zwei wesentliche Stoßrichtungen sind derzeit im Kontext von MRK erkennbar:
Zum einen boomt die Leichtbaurobotik. Eine Reihe von Unternehmen haben Anwendungsdemonstrationen und Tests im Vorserienumfeld gestartet und sammeln aktuell Erfahrungen. Zugleich drängen neue Anbieter von Robotertechnik auf den Markt und bewirken einen intensiven Wettbewerb. Vor allem die Montage-Assistenz, der 3C-Markt (Computer, Communications, Consumer) sowie der asiatische Wirtschaftsraum beflügeln die aktuelle Debatte. In der Konsequenz arbeiten alle Anbieter an Gewichts-, Kosten- und Leistungsoptimierungen. 

Zum anderen zeigt sich infolge des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung, dass die ergonomische Entlastung von Werkern immer stärker in den Fokus rückt. Das betrifft insbesondere anspruchsvolle Montage-Umgebungen beispielsweise in der Getriebeherstellung. Bei der kollaborativen Teilautomatisierung von Prozess-ketten übernimmt der Mensch weiterhin die zentralen Füge- und Führungsaufgaben. Zugleich wird er von Robotern unterstützt, die die auftretenden Lasten aufnehmen. Dabei geht es vor allem um Handhabungsgewichte im mittleren Lastbereich. Hierfür sind kollaborationsfähige End-of-Arm-Tools gefragt, die in der Lage sind, unterschiedliche Lasten im Bereich von bis zu 2 kg im unmittelbaren Zusammenspiel mit dem Menschen zu handhaben. Gängige Lösungsstrategien bei inhärent sicheren MRK-Greifern – wie harmonisch geformte Schutzhüllen ohne scharfe Ecken und Kanten sowie die Begrenzung der Greifkraft auf 140 N – stoßen bei derartigen Szenarien allerdings an Grenzen: Zum einen verfügen diese nicht über die entsprechende Greifkraft, zum anderen fehlt ihnen die Flexibilität beim Hub.

Genau hier setzt der Großhubgreifer ‚Co-act EGL-C‘ an, den Schunk zur Hannover Messe vorstellt. Er erzielt Greifkräfte bis 450 N und kombiniert diese mit einem Hub von 42,5 mm pro Finger. Damit eröffnet das intelligente 24-V-Kraftpaket neue Spielräume beim kollaborativen Handling von Werkstückgewichten bis 2,25 kg. Bis Ende 2019 soll er mit einem DGUV-Zertifikat für den kollaborierenden Betrieb sowie mit Schnittstellen unter anderem für MRK-Roboter von Kuka, Yaskawa, Fanuc, Universal Robots und Nachi in Serie auf den Markt kommen.