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Ingenics / imk: Eine Checkliste für die MRK-Implementierung

Insbesondere der Mittelstand ist noch zurückhaltend beim Thema Mensch-Roboter-Interaktion. Mit seinem neuen Kooperationspartner imk automotive will das Unternehmen Ingenics dazu beitragen, die Akzeptanz für MRK bei dieser Klientel zu erhöhen.

Mensch-Roboter-Interaktion, Ingenics Bildquelle: © Ingenics

Für Unternehmen, die an MRK-Lösungen interessiert sind, stellt sich in der Praxis zuerst die Frage, ob sich der Einsatz von kollaborierenden Robotern lohnt und wie schnell sich die Investition amortisiert“, so Andreas Hoberg, Vorstand Vertrieb bei Ingenics. Um diese Frage qualifiziert beantworten zu können, entwickelte das Beratungsunternehmen auf Basis seiner  Erfahrungen – die es unter anderem im Umfeld der Automobilindustrie gesammelt hat –, eine detaillierte Checkliste zur systematischen Prüfung und Bewertung der Potenziale.
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Diese MRK-Checkliste, die Fragen aus sechs entscheidenden Anwendungsbereichen – von der Sicherheit über die Art der Materialbereitstellung, die Beschaffenheit des Bauteils über ergonomische Gesichtspunkte bis hin zur Infrastruktur und zum Arbeitszeitmodell – behandelt, liefert theoretisch gute Argumente. Die Brücke zur Praxis soll nun gemeinsam mit imk automotive aus Chemnitz geschlagen werden: „imk hat ein Simulationstool entwickelt, mit dem MRK-Anwendungsfälle 3D-simulativ abgebildet werden können – einschließlich detaillierter Ergonomie- und Prozesszeiten-Bewertungen“, erklärt Thomas Kleinbeck, Senior Expert bei Ingenics, und fügt hinzu: „Für die potenziellen Anwender ist es ideal, dass wir beide Themen – erst Auswahl, dann Simulation der ­Anwendungsfälle – zusammenbringen und in einer frühen Phase des Ent­scheidungsfindungsprozesses darstellen können.“ Umgekehrt sollen imk-Kunden davon profitieren, dass die Chemnitzer IT-Experten über die Partnerschaft mit Ingenics auch die fundierte datenbasierte Ermittlung von potenziellen Anwendungsfällen anbieten können.

Dr. Jens Trepte, Geschäftsführer von imk, ergänzt: „Unsere Planungsmethode, die wir ‚Editor Menschlicher Arbeit‘ – kurz ema – genannt haben, führt eigeninitiativ Arbeitsanweisungen aus, reagiert dank einer wissensbasierten 3D-Software-Lösung mit normalmotorischen Bewegungen, als wäre es ein virtueller Facharbeiter, so dass menschliche Arbeit humanmotorisch valide und mit größtmöglicher Effizienz geplant, simuliert und ausgewertet werden kann. Gemeinsam mit Ingenics beraten wir vollkommen herstellerneutral, ermitteln auf der Basis eines anthropometrisch perfekten Menschmodells sowie der Zeitwirtschaft die bestmögliche Lösung und erhalten alle Daten für die Abstimmung mit den Sozialpartnern“.

Für Wirtschaftlichkeitsprognosen setzt imk vor allem auf das MTM-Verfahren zur Analyse von Arbeitsabläufen sowie auf Plan- und Zeitvorgabe-Daten. MTM ist die Abkürzung für Methods Time Measurement. Dabei werden sämtliche vom Menschen ausgeführten Bewegungen auf bestimmte Grundbewegungen zurückgeführt, für die die benötigte Zeit bekannt ist. Die kleinsten Bewegungselemente sind dabei in MTM-1 erfasst, die den Arbeitsablauf in Bewegungselemente wie ‚Hinlangen‘, ‚Greifen‘, ‚Bringen‘, ‚Fügen‘, ‚Loslassen‘, ergänzt um Bewegungselemente wie ‚Gehen‘, ‚Beugen/Bücken‘ oder ‚Visuelle Kontrolle‘ aufteilt. Zu diesen Grundbewegungselementen sind in Tabellen empirisch mit Hilfe von Zeitlupen-Aufnahmen ermittelte Zeiten hinterlegt, meist noch in Abhängigkeit weiterer Parameter, wie etwa die mit der Bewegung zurückgelegte Entfernung. Dr. Trepte hierzu: „Ich bekomme die gesamte Ergonomie-Bewertung automatisch generiert und kann schon in einer sehr frühen Phase vorhersagen, ob der Planer am Ende einen tiefroten, also ergonomisch unsinnigen, einen gelben oder einen grünen, ergonomisch unbedenklichen Arbeitsplatz gestaltet haben wird.“ Das kombinierte Verfahren sei im Übrigen nicht nur für Neuplanungen interessant, sondern ebenso, wenn es um die Modernisierung vorhandener Arbeitsplätze geht.

Bei Ingenics wie bei imk geht man davon aus, dass in Kürze sämtliche ­Roboterhersteller im eigenen Interesse bemüht sein werden, ihre Daten den Systemen zur Verfügung zu stellen, die mit Simulationen Entscheidungshemmnisse beseitigen. „Wir sind heute schon in der Lage, neue Roboterdaten in nur vier Stunden in unsere Biblio­theken zu integrieren“, erklärt Dr. Trepte – und kündigt für die nächste Zeit die Freigabe zusätzlicher Features im Bereich der Kollisionsvermeidung an, die endgültig sicherstellen werden, dass rechtlich unangreifbare Sicherheitsbewertungen durchgeführt werden können.