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Mensch-Roboter-Kollaboration: Risiko versus Nutzen

Viele Fertigungsbetriebe, die den Einsatz kollaborativer Roboter etwa am Montage-Arbeitsplatz erwägen, tun sich derzeit noch schwer das Verhältnis zwischen Risiko und Nutzen abzuwägen. Mit einem Leitfaden will das Verbund­projekt "SafeMate" diesbezüglich Hilfestellung geben.

Fertigungsbetrieb Einsatz kollaborativer Roboter, PZH Bildquelle: © Institut für Montagetechnik PZH

Für produzierende Unternehmen ist die Montage meist der zeitaufwändigste Teil der Prozesskette und damit sehr kostentreibend. Gleichzeitig sind für viele Werker in der Montage monotone, physisch anstrengende Arbeitsschritte häufig sogar gesundheitlich belastend. Da hört es sich zunächst einmal wie eine perfekte Lösung für alle an: Flexible, sichere Roboter werden als Kooperationspartner eingesetzt, um Mitarbeiter zu entlasten und Zeit sowie Kosten zu sparen.

So einfach ist es aber offenbar nicht. „Nahezu jeder Roboterhersteller hat mittlerweile einen kollaborationsfähigen Roboter für die Mensch-Roboter-Kollaboration – kurz MRK – im Angebot; einen Roboter also, der nicht mit einem Sicherheitszaun vom Menschen getrennt werden muss, sondern wörtlich ,Hand in Hand‘ mit ihm zusammenarbeiten kann. Aber in der Industrie werden sie bislang noch kaum sinnvoll integriert“, so Sebastian Blankemeyer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Montagetechnik am Produk­tionstechnischen Zentrum der Leibniz Universität Hannover (PZH). Er verweist auf eine Datenerhebung des Instituts für Arbeitswissenschaften (IFaA) aus dem Jahr 2016, die gerade einmal von 100 MRK-Systemen in Deutschland spricht. Blankemeyer weiter: „Hans-Georg Krabbe, Deutschland-Chef von ABB, erklärte 2016, dass die kollaborativen Roboter weniger als 2 % vom weltweiten Industrierobotermarkt ausmachen.“ Warum ist das so?

Diese Frage stellte auch eine Ausschreibung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Das Forschungsprojekt ‚SafeMate‘, das Sebastian Blankemeyer mit Assem Oubari und Dennis Pischke, zwei PZH-Kollegen aus dem Institut für Fabrikanlangen und Logistik (IFA), derzeit konzipiert und durchführt, wird in diesem Rahmen seit Anfang 2017 gefördert. Mit insgesamt neun Partnern aus der Industrie und anhand realer Szenarien wollen die drei Wissenschaftler einen Leitfaden entwickeln, der Unternehmen die Entscheidung erleichtern soll, einen kollaborationsfähigen Roboter einzusetzen und sie gegebenenfalls bei der Umsetzung unterstützt. Ende 2019 soll das Ergebnis vorliegen.