Sie sind hier: HomeFeldebeneRobotik

Forum Mensch Roboter – ein Rückblick: Wo steht die Mensch-Roboter-Kooperation?

Die Kooperation beziehungsweise Kollaboration von Mensch und Roboter – kurz MRK – ist derzeit ein Hype-Thema. Doch wie lässt sie sich wirtschaftlich umsetzen? Antworten hierauf lieferte das erste ‚Forum Mensch Roboter‘ in Stuttgart.

Mensch Roboter Forum 2016_T Bildquelle: © Weka Media

Keynote-Speaker Dr. Bernd Liepert, Kuka: „Bei MRK erlauben wir den Werkern wieder zu denken beziehungsweise mehr Verantwortung zu übernehmen!“

Sie gilt als eine der tragenden Säulen künftiger Produktionskonzepte im Kontext der vierten industriellen Revolution – die unmittelbare Zusammenarbeit von Mensch und Maschine ohne trennende Schutzeinrichtungen. Dies erfordert ein Umdenken sowohl bei den Herstellern als auch den Anwendern, denn: Blickt man aktuell in die Fertigungsstätten, so finden sich dort – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - fast ausschließlich Roboter hinter Zäunen, strikt von den Menschen getrennt.

Mit dem Ziel, diese Fragen von Experten aus erster Hand beantworten zu lassen, fand am 17. und 18. Oktober erstmals das ‚Forum Mensch und Roboter‘ statt. In seiner Keynote erläuterte der Chief Innovation Officer (CIO) von Kuka, Dr. Bernd Liepert, zunächst die wesentlichen Treiber für MRK – allen voran der Trend nach immer individuelleren Produkten: „Damit werden wir in der Fertigung mehr und mehr in Richtung  Optionen gehen und weg kommen von den hohen Stückzahlen.“ Folge ist: Starre vollautomatisierte Linien lohnen sich vielfach nicht mehr und sind zudem zu unflexibel. Hinzu komme, dass die unabwendbare Alterung der Belegschaft eine ergonomische Optimierung der Arbeitsplätze erfordert – und dies etwa in Form eines MRK-fähigen Roboters als Helfer beziehungsweise als dritte Hand.

Doch woran liegt es, dass heute noch kaum Roboter ‚Hand in Hand‘ mit dem Kollegen aus Fleisch und Blut werkeln; wo sich doch mittlerweile eine breite Anbieterschaft – darunter die großen Player wie Kuka, ABB, Bosch und Fanuc, aber auch Newcomern wie Universal Robots oder Hahn Robotics – dieser Idee verschrieben hat. Die Antwort von Prof. Dr. Bernd Kuhlenkötter, Leiter des Lehrstuhls für Produktionssysteme an der Ruhr-Universität Bochum und verantwortlich für strategische Forschung und Entwicklung bei ABB Robotics: „Die Schwierigkeit ist nicht, einen MRK-Roboter zu bauen, sondern diesen in die bestehenden Abläufe zu integrieren!“ Und genau damit tun sich die meisten Produktionsverantwortlichen noch schwer, wie aus den Fragen und Reaktionen der Zuhörer immer wieder zu entnehmen war. Zu versuchen, den Roboter in bestehende Linien zu integrieren sei vielfach schwierig, da diese vom Konzept her in der Regel nicht für MRK ausgelegt seien. Zudem müssten neben dem eigentlichen Produktionsablauf vielfach auch andere Prozesse wie etwa der Materialfluss angepasst werden, um das Potential von MRK tatsächlich ausschöpfen zu können. Mit anderen Worten: MRK sollte idealerweise bereits zu Beginn des Anlagenengineerings mit eingeplant und nicht nachträglich ‚aufgepfropft‘ werden. Das Problem dabei: „Es gibt aktuell nur wenige Produktionsplaner, die das Thema MRK durchdrungen haben“, so Bernd Liepert.