Robotik-Forschung

30 Millionen Euro für die Mensch-Roboter-Interaktion

29. August 2009, 9:14 Uhr | Jan Bihn
Roboter-Mensch-Interaktiuon
© Bild: Reinhard Lafrenz (TUM)

Roboter und Mensch sollen in Zukunft intensiver zusammenarbeiten – ein Ziel das drei neu aufgesetzte Forschungsprojekte gemeinsam haben. Zwei Projekte forschen schon nach neuen Roboter-Technologien - eines sucht noch Teilnehmer.

In den klassischen Robotik-Märkten, wie beispielsweise dem Automobilbereich sind keine großen Steigerungsraten mehr zu erwarten. Daher suchen Industrie und Forschung nach zukünftigen Roboter-Anwendungen und Produktfeldern in der Medizin, in der Nahrungsmittel-Industrie, im Entertainment-Umfeld oder in Bereichen wie der Servicerobotik für den Haushalt. Noch fehlen die erforderlichen Technologien um die Roboter intelligenter, autonomer und menschlicher als bisher handeln zu lassen. Aktuelle Forschungsprojekte suchen in den nächsten Jahren Lösungen.

Echord sucht noch Teilnehmer

Im Rahmen des EU-Projektes Echord (European Clearing House for Open Robotics Development) fließen 19 Millionen Euro in den nächsten dreieinhalb Jahren in die Forschung und Entwicklung von Robotern. Insgesamt drei Ausschreibungsrunden sind geplant - die erste startet am 28. September 2009 und endet am 27. November 2009. In einer Informationsveranstaltung am  4. September 2009 im Deutschen Museum in München können sich europäische Hersteller und Forschungsgruppen über die Möglichkeiten der Förderung ihrer Ideen informieren. Prof. Alois Knoll vom Lehrstuhl für Echtzeitsysteme und Robotik an der Technischen Universität München (TUM) koordiniert dieses Projekt.

10 Millionen Euro für humanorientierte Roboter

Ebenfalls auf EU-Mittel greift das im März gestartete und auf vier Jahre angelegte Projekt „Rosetta" zurück. Ziel des Projekts ist es, flexible Produktionskonzepte mit geringem Kapitaleinsatz zu entwickeln, in denen Roboter und Menschen sicher im Team arbeiten können. Die Roboter sollen mit dem Menschen zusammenarbeiten, ihn verstehen, selbstständiger arbeiten und lernfähig sein.

In dem Konsortium aus acht europäischen Institionen unter der Führung des Herstellers ABB arbeiten Forscher aus der Robotik, der Fertigungstechnik, der Biomechanik und anderen Disziplinen zusammen. Neben ABB beteiligen sich noch das Stuttgarter Unternehmen Dynamore, das Fraunhofer IPA in Stuttgart, die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, die Schwedische Universität Lund, die belgische Universität Löwen und die italienische Politecnico di Milano.

"ROSETTA" steht für den englischen Titel „Robot control for skilled execution of tasks in natural interaction with humans; based on autonomy, cumulative knowledge and learning" - bedeutet: „Steuerung von Robotern für die qualifizierte Ausführung von Aufgaben in natürlichem Zusammenspiel mit dem Menschen - durch Autonomie, angesammeltes Wissen und Lernen".

Roboter schauen beim Menschen ab

Ein neues Forschungsprojekt am Institut für Neuroinformatik der Ruhr-Universität Bochum wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die BMBF-Initiative "Nationales Netzwerk Computational Neuroscience - Bernstein Fokus: Neuronale Grundlagen des Lernens" macht in den nächsten fünf Jahren 1,9 Millionen Euro für das Bochumer Robotik-Projekt frei.

Die Neuro-Wissenschaftler möchten Modelle menschlichen Lernverhaltens auf die Robotik übertragen. Zusammen mit den Firmen Nisys und Schunck wollen die Forscher Service-Robotern autonomes und zielgerichtetes Bewegungsverhalten beibringen - und so zu einer Verbesserung der Mensch-Maschine-Interaktion beitragen. Eine weitere Anwendung der Modelle zielt auf die Weiterentwicklung von Fahrerassistenzsystemen im Auto.