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Nachgehakt bei Volker Schiek: Zur Entwicklung der Mechatronik-Initiative

Ende Juli feierte das Kompetenznetzwerk Mechatronik BW e.V. (KMBW) sein zehnjähriges Jubiläum und die Gründung der Mechatronik BW GmbH. Zum bisher Erreichten und über die weitere Entwicklung der „Mechatronik-Initiative“ äußert sich Geschäftsführer Volker Schiek.

Volker Schiek, Geschäftsführer der Mechatronik BW GmbH Bildquelle: © Kompetenznetzwerk Mechatronik e.V.

Volker Schiek, Geschäftsführer der Mechatronik BW GmbH: "Mechatronik ist immer noch zu komplex."

Herr Schiek, wie sieht Ihre Bilanz der letzten zehn Jahre aus, in denen Sie das Thema Mechatronik in den Maschinen- und Anlagenbau getragen haben?

Schiek: Im Jahr 2001 haben wir das KMBW mit 28 Mitgliedern gegründet. Inzwischen sind daraus 110 geworden, heterogen gemischt und in viele Branchen verzweigt. Diese Mischung hat sich als wichtiger Erfolgsfaktoren erwiesen. Anfang dieses Jahres haben wir das Cluster schließlich auf sechs strategische Themenfelder ausgerichtet: Energie, Gesundheit, Kommunikation, Mobilität, Sicherheit und Umwelt. Zwar gilt die Mechatronik heute als Enabler von Schlüsseltechnologien; dennoch sind ihre Leistungsfähigkeit und erfolgreiche Integration in betriebliche Innovationsprozesse noch immer unklar. Man muss sich darüber im Klaren sein: Mechatronik ist nicht nur das synergetische Zusammenwirken der drei Disziplinen Mechanik, Elektronik und Informatik, sondern vielmehr eine Denk- und Handlungsweise. Und so gilt es die Mechatronik gemäß den heutigen Anforderungen anzupassen und als Instrument für die Umsetzung in wirtschaftlichen Erfolg weiter zu entwickeln. Eine wichtige und aktuelle Aufgabe ist daher die Reduzierung der Komplexität im mechatronischen Engineering-Prozess.

Im Juni haben Sie aus dem Verein heraus die Mechatronik BW GmbH gegründet, deren Geschäftsführer Sie auch sind? Was war der Anlass hierfür?

Schiek: Das Land Baden-Württemberg hat erkannt, dass Cluster für Innovationsprozesse von existenzieller Bedeutung sind. Dabei wurde auch die Mechatronik als wichtiges Themenfeld identifiziert. Zusammen mit dem Europäischer Fonds für regionale Entwicklung – kurz EFRE – wurden 2010 schließlich Fördermittel für den Aufbau eines Mechatronik-Netzwerks ausgelobt. Das KMBW hat diesen Wettbewerb gewonnen und letztendlich hat das Land dem Cluster für diese Arbeit 500 000 Euro Fördermittel zugesagt. Kurz gesagt geht es dabei um die Bündelung jeglicher mechatronischer Ak­tivitäten im Land, um die Sichtbarmachtung von Best-Praxis-Beispielen sowie um Standort-Marketing. – Aufgaben, die der Verein in seiner bisherigen Art allein nicht hätte stemmen können. Ergo haben wir hierfür zusätzlich die Mechatronik BW GmbH als 100-prozentige Tochter des KMBW gegründet. Letzteres bleibt weiterhin als Verein bestehen und wird künftig exklusiv seine Mitglieder betreuen. Alle Netzwerk-Aktivitäten, die nichts mit den Mitgliedern zu tun haben, werden über die Mechatronik BW GmbH organisiert.

Verein und GmbH tragen den Zusatz „Baden-Württemberg“. Beschränken Sie sich mit Ihren Aktivitäten rein auf das „Ländle“?

Schiek: Keineswegs. Das Netzwerk hat zwar seinen Schwerpunkt in Baden-Württemberg, ist heute aber in ganz Deutschland aktiv. Die grundlegende Aufgabe eines Clusters ist ja die Vernetzung. Also müssen wir uns in unserer Vorbildfunktion auch selbst vernetzen – mit anderen Mechatronik-Clustern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich ebenso, wie mit baden-württembergischen Clustern, die andere Themenschwerpunkte haben. Über unser Netzwerk sind wir nicht zuletzt in wesentliche Projekte mit bundespolitischer Bedeutung beispielsweise mit Südamerika, China und der Türkei eingebunden. Ich persönlich bin der Überzeugung, dass zukünftig weltweit aufgestellte Innovationscluster mit Partnern aus allen Disziplinen und allen Ländern um Marktanteile ringen werden.

Die Motek 2011 steht vor der Tür. Vor einem Jahr hat der Verein die „Arena of Innovation“ ins Leben gerufen. Wird es eine Fortsetzung dieser Aktion geben?

Schiek: Ja, die AoI wird auf der Motek vom 10. bis 13. Oktober fortgesetzt. Ziel der Erstveranstaltung war es ja, spontan auf der Messe unterschiedlichste Personenkreise aus verschiedenen Fachgebieten an einen Tisch zu bekommen, um die gestellten Aufgaben zur Lösung vorher definierter Projekte interdisziplinär und live während den vier Messetagen zu bearbeiten. Die Ausschreibung der Ideen für die AoI 2011 läuft aktuell noch. Ergo wissen wir noch nicht, was uns erwartet. Kurzum: Wir „spielen“ wieder eine Reality-Show ohne Netz und doppelten Boden. Generell wird die AoI im Vergleich zum letzten Jahr, als sie ja noch ein Versuchsballon war, in größerer, veränderter und professionellerer Form weitergetrieben. Auch örtlich gibt es eine Veränderung: Dieses Mal wird die AoI im Atrium am Haupteingang Ost präsentiert. Jeder Messebesucher kann sich dabei in die Teams mit einbringen: als Zuschauer, Sponsor, aktiver AoI-Innovateur oder auch als Initiator einer „verrückten“ Idee. Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht!