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Brandschutz neu gedacht

Igus, Rössel
Rainer Rössel, Prokurist und Leiter des Geschäftsbereichs ‚Chainflex‘-Leitungen bei Igus, freut sich über die UL-Zulassung für halogenfreie TPE-Leitungen.
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Neu bei Igus ist die UL-Zertifizierung für halogenfreie TPE-Leitungen. Warum das ein großes Thema ist, erläutert Rainer Rössel, Prokurist und Leiter des Geschäftsbereichs ‚Chainflex‘-Leitungen.

Herr Rössel, als weltweit erster Hersteller hat Igus eine UL-AWM-Zertifizierung der US-amerikanischen Organisation Underwriters Laboratories für TPE-Leitungen erhalten, die ohne brandhemmende Halogene als Zusatzstoffe auskommen. Was ist das Besondere daran?
Bisher galt beim Thema Brandschutz, dass die Flammwidrigkeit bei Leitungen die zentrale Größe ist, um eine UL-Zertifizierung zu erhalten. Zulassung erhielten deswegen nur Produkte, die mit Flammschutzmitteln versehen wurden – beispielsweise mit Chlor, Fluor oder Brom. Diese Additive erhöhen die Flammwidrigkeit. Doch dabei wurde bisher nicht berücksichtigt, dass die Flammschutzmittel in der Regel die chemische Struktur der Ummantelung stark verändern und damit massiv ihre mechanische Belastbarkeit reduzieren. Leitungen neigen aufgrund der brandhemmenden Additive also eher zu Kabelbrüchen bei Beanspruchungen in der Energiekette und werden mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst zu Brandverursachern.

Ihr Ansatz ist also ein anderer?
Ja, wir konnten die Experten der UL überzeugen, dass unsere halogenfreien TPE-Mantelmischungen frühzeitige Alterungsbrüche der Außenmäntel bei dynamischen Anwendungen in Energieketten um bis zu Faktor 10 zuverlässig vermeiden gegenüber gleichen Werkstoffen mit Flammschutzmittel. Das bedeutet: Wenn der Mantel nicht bricht, kann die Leitung keinen Brand verursachen, weil eine Querschnittsreduzierung der Adern aufgrund des nicht vorhandenen Mantelbruches ausgeschlossen ist. Wir konzentrieren uns also weniger auf die Vermeidung der Ausbreitung eines Brandes, sondern setzen bereits viel früher an und verhindern vielmehr die Brandentstehung durch das Kabel selbst. Wenn man bedenkt, dass Maschinenbrände nach Angaben der US-amerikanischen National Fire Protection Association in den USA auf Platz 4 der Brandursachen im industriellen Umfeld liegen – dicht gefolgt von Bränden, die sich auf elektrische Ursachen zurückführen lassen–, dann ist dies ein großer Beitrag zur Erhöhung der Maschinensicherheit. Eine Argumentation, die die UL schließlich auch überzeugte.

Und welche Vorteile ergeben sich konkret daraus?
Die halogenfreien TPE-Leitungen mit AWM-Zulassung bieten folgende Vorteile: Erstens sind echte halogenfreie Leitungen wichtig für den europäischen Markt. Zweitens bieten wir die UL-AWM-Zulassung, was wiederum für den nordamerikanischen Markt von besonderem Interesse ist. Drittens garantieren wir eine um 25 % höhere Lebensdauer gegenüber vergleichbaren UL-Typen. Und viertens reduziert sich die Typenvielfalt, da eine Leitung für alle Märkte einsetzbar ist.
Kunden können bei uns aus 1044 ‚Chainflex‘-Leitungen mit UL-Zulassung zu wählen. Mit der neuen Zertifizierung kommen nun mehr als 200 halogenfreie TPE-Leitungen mit neuen UL-AWM-Zulassungen hinzu, sodass wir nun ein nahezu vollständiges UL-zertifiziertes Programm für den Einsatz in der Energiekette anbieten können. Davon profitieren Kunden auch, wenn sie Maschinen für den nordamerikanischen Markt bauen, wo die UL-Zertifizierung der einzelnen Komponenten die geforderte Regel sind.


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