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Elektromechanik: Schaltschrank - fit für Industrie 4.0

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Feldforschung in den Werkstätten

Die Suche nach einem zukunftsfähigen Schaltschranksystem leitete das Unternehmen nicht am Reißbrett oder im Labor in die Wege – „back to the roots“ hieß die Devise. „Bevor wir unser Team an die Entwicklung des Schaltschranks ließen, mussten wir in die Werkstätten unserer Kunden, um die aktuellen Herausforderungen komplett neu aufzunehmen und zu analysieren“, sagt Dr. Steffen. Zusammen mit dem Münchener Institut PMO Usability-Engineering & Organisations-Entwicklung initiierte der Systemanbieter für Schaltschränke eine Feldstudie: Die Forscher dokumentierten den Industrie-Alltag bei zehn Unternehmen in Deutschland, bei acht in den USA und bei sechs in China – darunter kleine, mittelständische und große Unternehmen. 

Jeder, der in dem jeweiligen Unternehmen mit dem Produkt Schaltschrank arbeitet, wurde dabei beobachtet und befragt. Dokumentiert wurde schriftlich, teils fotografisch und filmisch. Dabei war aber nicht nur der Schaltschrankmonteur im Fokus, sondern eine Vielzahl von  Nutzergruppen – unter anderem Konstrukteure, Logistikmitarbeiter, Monteure, Verdrahter, Prüfer, Inbetriebnehmer und Instandhalter. Hinzu kamen die Kaufentscheider – technische Einkäufer, Geschäftsführer und Asset-Manager. So ging die Usability-Studie deutlich über das hinaus, was heute unter ‚User Experience‘ verstanden wird – sie bezog Aufgaben und Kontext mit ein.

„Die Nutzeranalyse war ein Augenöffner. Wir erkannten teils Probleme beim Kunden, die er so selbst noch nicht wahrgenommen hatte“, resümiert Dr. Steffen. 150 konkrete Anforderungen an den neuen Schaltschrank kristallisierten sich dabei heraus, die Rittal um die Erkenntnisse des ebenfalls eingebundenen Kundenbeirats ergänzte. Nach der Usability-Studie waren auch letzte Zweifel an der strategischen Stoßrichtung des zu entwickelnden Großschranks ausgeräumt: „Der Markt braucht einen Schaltschrank, der die Durchlaufzeiten in Engineering und Montage per sofort verkürzt, der angesichts von Losgröße 1 die Komplexität reduziert und sich als vollwertiger Baustein in den Megatrend Digitalisierung einfügt“, so Dr. Steffen. Zusammengefasst: Der Schaltschrankbau muss digitaler, einfacher und schneller werden.