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Predictive Maintenance: Die intelligente Energiekette

Fortsetzung des Artikels von Teil 2.

Daten gezielt auswerten

isensestand-alone-System, igus Bildquelle: © Igus

Um die Produktionstörungsfrei zu halten, können Firmen das 'isensestand-alone'-System nutzen, bei dem ­Sensoren zur Bruch- und Leitungsüberwachung die Messwerte an Energieketten und Leitungen erfassen.

Sind die Messwerte eines Sensors an das ‚icom‘-Modul übertragen, müssen sie interpretiert werden, um daraus eine Handlungsanweisung zu generieren. Dies ist die Aufgabe von vier ‚isense‘-Systemen, die je nach Bauart die Sensorwerte weiterverarbeiten.

  • Geht es Firmen zum Beispiel nur darum, die Produktion störungsfrei zu halten, bietet sich das Stand-alone-System an. Diese Anwendung lässt sich durch einen Maschinenprogrammierer integrieren. Dabei erfassen die Sensoren zur Bruch- und Leitungsüberwachung an Energieketten und Leitungen die Messwerte. Für den Fall, dass die im Vorfeld definierten Referenzwerte überschritten werden, kommt es zur Auslösung des Öffnerkontaktes und die Maschine steht. Alternativ werden die Sensorwerte an die kundenseitige SPS übergeben. Je nach SPS-Programmierung löst ein Überschreiten der Referenzwerte optische oder akustische Warnungen aus. Ebenso können Maschinenprogrammierer über die SPS einen Stopp der Anlage programmieren oder den Sensorwert einfach nur am SPS-Panel zur Anzeige bringen. Gleichzeitig können sich Anwender die Daten über eine serielle Schnittstelle (RS2322/UART) zur eigenen Auswertung individuell übertragen lassen. Eine Stand-alone-Lösung für Abrieb befindet sich in der Planungsphase. 
isense-offline-System, igus Bildquelle: © Igus

Müssen Servicetechniker eine Vielzahl an Energieketten, Leitungen und Lagern überwachen, bietet sich das 'isense-offline'-System an. Ohne Verbindung zum Internet werden an einem Industrie-PC alle Meldungen angezeigt.

  • Müssen zum Beispiel an einer Produktions- oder Hafenanlage eine Vielzahl an Energieketten, Leitungen und Lagern durch den Servicetechniker überwacht werden, kommt das ‚isense-offline‘-System in Betracht. Hierfür ist ein zusätzlicher Industrie-PC nötig, an dem alle Meldungen angezeigt werden. Eine Verbindung zum Internet gibt es hier nicht. In dieser einfachen Variante sind die Lebensdauerberechnungen statisch und unveränderbar. Anwender, für die in der Zukunft Themen wie ‚Machine Learning‘ und ‚Künstliche Intelligenz‘ an Relevanz gewinnen, sind mit dieser Lösung allerdings wenig flexibel. Das System führt keinen Abgleich der Wartungsempfehlungen mit einer Online-Datenbank durch; dies kann nur manuell durch einen Servicetechniker durchgeführt werden. Dennoch bietet das offline-System Vorteile für die tägliche Arbeit der Wartungstechniker, da ein Blick auf den IPC genügt, um über alle drohenden Ausfälle in der Produktionsumgebung informiert zu sein.
  • Sind die Prozesse in der Herstellung komplexer und werden zum Beispiel Bauteile innerhalb einer Fertigung zu Baugruppen beziehungsweise Komponenten, ist der Blick auf das große Ganze unerlässlich. Denn kommt es an einer unbedeutenden Stelle zum Kettenbruch oder droht Verschleiß an einem Antrieb, können die Folgen verheerend sein: Anlagenstillstand, Fertigungsstopp und Lieferverzögerungen kosten Zeit, Geld und Reputation. Wer stets ‚just in time‘ produzieren muss oder Lieferant für andere Unternehmen ist, muss seine Prozesse effizient und stabil halten. Hier bietet sich das ‚isense-integration‘-System an. Mit ihm lassen sich OPC-UA oder MQTT dank Topologien und Standards wie Profinet, Ethernet, Ethercat und CC-Link IE in die vorhandene Software-Umgebung und das Intranet einbinden. Produktionsleitern erleichtert eine Anbindung des Systems an das ERP-System die Arbeit: Ist beispielsweise eine Produktionsvisualisierung für den gesamten Fertigungsprozess vorhanden, zeigt ein Klick in die Applikation die Betriebszustände der verschiedenen Komponenten. Meldet ein Sensor Ausfall oder Verschleiß, wird auch das in der Produktionsvisualisierung sichtbar. Die Ersatzteilbestellung kann unmittelbar über das ERP-System direkt vom Schichtleiter ausgelöst werden. Maschinenprogrammierer können die Daten aus dem ‚icom‘-Modul aber auch direkt in die SPS speisen. Hier lassen sich wie gewohnt alle Befehle hinterlegen, die für den Fall einer Sensormeldung ausgeführt werden sollen. So sind neben dem sofortigen Herunterfahren der Anlage akustische oder optische Warnmeldungen oder eine Benachrichtigung auf dem Panel möglich. 
isense-Produktfamilie, igus Bildquelle: © Igus

Zur 'isense'-Produktfamilie gehören mit Sensoren und Überwachungseinheiten ausgestattete Energieketten, Leitungen, Linearführungen und Rundtisch-Lager, die ihren Zustand permanent selbst überwachen.

  • Mit dem ‚isense Online‘-Konzept lassen sich Service-Einsätze optimal planen, Wartungsteams legen nur noch die Wege zurück, die wirklich nötig sind und dank der Einbindung ins ERP-System auch mit dem passenden vorrätigen Ersatzteil, das nach der Sensorwarnung bereitgestellt wird. Dies spart auf lange Sicht nicht nur Kosten, sondern unterstützt Schichtleiter, Wartungscrews und das Team in der Lagerhaltung. Wartungseinsätze werden vorhersehbar: Monteure werden nicht erst gerufen, wenn die rote Signallampe eine Abschaltung meldet, sondern bekommen im Vorfeld eine E-Mail, dass Antriebe demnächst verschleißen, Energieketten vom Totalausfall bedroht sind oder aus Altersgründen getauscht werden müssen. Elektriker profitieren von dauerhaften Messungen, die drohende Kabelbrüche signalisieren und dann per SMS oder E-Mail melden. So wird ­Wartung gestaltbar und priorisierbar. Serviceteams lassen sich intelligent zusammenstellen, Personal-Engpässe und damit Totalausfälle zuverlässig ver­meiden.