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Kabelverschraubungen: Herausforderung Hygiene

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Fertigen nach EHEDG-Vorgaben

Wer kein umfassendes Hygienic Design nutzt, läuft Gefahr, dass einerseits sein Reinigungs-Prozedere sehr aufwendig und somit teuer zu gestalten ist. Andererseits kann es durch Verunreinigungen im Fertigungsprozess zu teuren und Imageschädigenden Rückrufaktionen kommen. Betrachtet man also die Gesamtkosten inklusive Beschaffung, Risikoanalyse, Reinigung und damit bedingt Stillstandzeiten über die Lebensdauer einer Anlage, lässt sich feststellen, dass ein durchgängiges Hygienic Design auf Dauer günstiger ist.

Hygiene-Kabelverschraubung aus Kunststoff, Pflitsch Bildquelle: © Pflitsch

Pflitsch hat die erste Hygiene-Kabelverschraubung aus Kunststoff entwickelt und ermöglicht so vergleichsweise kostengünstig die EHEDG-konforme Umsetzung des Hygienic Design.

In den Ausschreibungen und Pflichtenheften müsse das Design nach den EHEDG-Vorgaben fest verankert werden, fordert Markus Keller. Durch aktuelle Richtlinien der EHEDG, des VDI und international der ISO 14159 ist beim Einsatz von Maschinen und Anlagen im hygienischen Umfeld ein entsprechendes Hygienic Design Stand der Technik. Außerdem sei es nötig, die Hygiene-Beauftragten von vornherein in Entscheidungen einzubeziehen.

Hygienic Design ist nicht nur im Bereich der Lebensmittelindustrie in den Fokus gerückt. Auch verwandte Branchen wie die Pharma- und Arzneimittelindustrie sind stark sensibilisiert und wenden Hygienic-Design-Prinzipien an, ohne es direkt ‚Hygienic Design‘ zu nennen. Markus Keller meint dazu: „Im Prinzip betrifft es alle Technikbranchen und deren Zulieferer, die mit Reinräumen und sauberen Umgebungen zu tun haben. So setzt sich beispielsweise die Halbleiterindustrie schon lange mit diesen Aspekten auseinander; zwar mit einem Fokus auf Partikel anstatt auf die Mikrobiologie, aber mit denselben Gestaltungsprinzipien.“

Dabei hört das Thema Hygienic Design nicht bei der Materialauswahl für das Gehäuse auf, sondern betrifft das gesamte Produkt – und eben auch die Kabelverschraubung, wie sie beispielsweise die Firma Pflitsch herstellt.

In den automatisierten Produktionsanlagen der Lebensmittel-, Pharma- und Chemie-Branche sowie in den Reinräumen der Elektronik müssen Anhaftungen von Staub und Schmutzpartikeln ausgeschlossen werden, da sie die Bildung von Bakteriennestern begünstigen können. Zudem müssen die verwendeten Reinigungsmittel sauber abperlen. Dies ist eine besondere Herausforderung für Kabelverschraubungen, denn Hohlräume, Spalte und offene Gewindegänge wie bei Standardverschraubungen sind in Hygiene-Anwendungen absolut tabu.