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Kamera liefert ‚chemischen Fingerabdruck‘

20. April 2020, 9:00 Uhr | Inka Krischke

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Fehlererkennung in der Pharmaindustrie

Grundlage der Unterscheidung von ­Astlöchern, Stellen mit Harz oder hoher Feuchtigkeit in Holz mit Hilfe hyper­spektraler Bildverarbeitung sind die ­Spektralkurven der Materialien.
Grundlage der Unterscheidung von ­Astlöchern, Stellen mit Harz oder hoher Feuchtigkeit in Holz mit Hilfe hyper­spektraler Bildverarbeitung sind die ­Spektralkurven der Materialien.
© Perception Park

Wie in vielen anderen Bereichen nehmen die Produktionsgeschwindigkeiten in der Pharmaindustrie weltweit rasant zu. Um das Risiko von Produktrückrufen zu verringern und Verbraucher vor kontaminierten Arzneimitteln zu schützen, gelten in dieser Branche besonders strenge Sicherheits-vorschriften. Bildverarbeitungssysteme sind bei der Herstellung pharma-zeutischer Produkte daher bereits seit einiger Zeit Stand der Technik, um Produkte in Echtzeit nach Kriterien wie Form, Größe oder Gewicht zu bewerten. Durch die Nutzung hyperspektraler Bildverarbeitungs- und CCI-Systeme lässt sich die Überwachung von Pharmaproduktionsprozessen weiter optimieren, da sie es ermöglichen, Pharmazeutika auf ihre molekularen Eigenschaften hin zu untersuchen.

Ein typischer Anwendungsfall von HSI-Systemen in der Pharmaindustrie ist die Überprüfung von Retard-Tabletten auf korrekte Beschichtung. Diese Medikamentenform gibt den Wirkstoff nach seiner Verabreichung über einen längeren Zeitraum oder an ein bestimmtes Ziel im Körper ab. Entscheidend für diese kontrollierte Abgabe des Wirkstoffs ist die Retard-Beschichtung der Tablette: Ist sie beschädigt oder fehlt komplett, gelangt die Arznei schneller als gewünscht in den Körper und verfehlt ihre Langzeitwirkung.

 

 

Grundlage der Unterscheidung von ­Astlöchern, Stellen mit Harz oder hoher Feuchtigkeit in Holz mit Hilfe hyper­spektraler Bildverarbeitung sind die ­Spektralkurven der Materialien.
Darstellung der hyper­spektralen Bildverarbeitung.
© Perception Park

Mit einer Kombination aus HSI- und CCI-Technologie lässt sich die Qualität von Retard-Medikamenten sicher kontrollieren. »Mit einer im NIR-Bereich arbeitenden Hyperspektralkamera und der Anwendung der Chemical-Color-Imaging-Technologie mit unserer Software-Suite ‚Perception Studio‘ konnten wir eindeutig nachweisen, dass zuvor künstlich erzeugte Beschichtungsfehler mit 100 % Sicherheit und auch in der Hochgeschwindigkeitsproduktion in Echtzeit erkennbar sind«, erläutert Markus Burgstaller, Geschäftsführer des Grazer Unternehmens Perception Park, das sich auf diese Technologie spezialisiert hat. Selbst durch Blisterverpackungen hindurch ist die Qualitätsprüfung möglich, sofern das Blistermaterial nicht aus Aluminium besteht, das die NIR-Strahlung reflektieren würde.
Die Prüfung von Retard-Beschichtungen ist nur eine von vielen Anwendungs-möglichkeiten der HSI-Technologie in der Pharmaindustrie. Mit ihr lässt sich außerdem kontrollieren, ob Tabletten in korrekter Zahl, unbeschädigt und ohne Fremdkörper in Blister verpackt sind, ob die richtigen Inhaltsstoffe in Arzneimittelkapseln enthalten sind oder ob diese vollständig verschlossen sind. 

 


  1. Kamera liefert ‚chemischen Fingerabdruck‘
  2. Fehlererkennung in der Pharmaindustrie
  3. Sichere Lebensmittelproduktion
  4. HSI in der Holzverarbeitung

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