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Industrielle Bildverarbeitung: Zehn Prozent aller Anwendungen sind erst erschlossen

Zum 30-jährigen Jubiläum des Bildverarbeitungstechnik-Distributors Framos saßen Experten aus der Branche in der Pullacher Zentrale des Unternehmens am runden Tisch beisammen und diskutierten sowohl über die "alten Zeiten" als auch über Gegenwart und Zukunft der industriellen Bildverarbeitung.

"Ich habe 1975 mein erstes Bildverarbeitungs-System verkauft", erzählte Wilhelm Stemmer, Gründer und Geschäftsführer von Stemmer Imaging. "Es beruhte auf einem 16-Bit-Computer der PDP-11-Baureihe von Digital Equipment, der gerade so durch eine Tür passte - solche Dinger hießen damals Minicomputer. Das System hatte ein 6-HE-Speichermodul mit 256 kByte Kapazität. Die Bildverarbeitungs-Programme waren in Fortran geschrieben. Geliefert wurde das Ganze für etwa 180.000 Mark an das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart."

256 kByte Speicherkapazität - was aus heutiger Sicht geradezu lächerlich anmutet, war gemessen am damaligen Stand der Technik viel. Für professionelle Bildverarbeitungs-Anwendungen war die Kapazität aber dennoch sehr knapp bemessen: "Der Speicher war der Flaschenhals schlechthin", erläuterte Stemmer. "Es gab damals schon Mustererkennungs-Funktionen, aber es mangelte einfach an Speicherkapazität. Angesichts dessen ist es erstaunlich, dass das System beim Fraunhofer-IPA bis in die frühen 80-er Jahre im Einsatz war. Heute steht es bei uns im Museum."

So richtig los ging es mit der industriellen Bildverarbeitungstechnik nach dem Aufkommen des IBM-PCs 1981. "Man nahm damals die PC, die es von der Stange gab, obwohl sie eigentlich gar nicht für die Industrie gedacht waren", verdeutlichte Stemmer. "In dieser Zeit kamen auch die ersten Framegrabber auf." 1992 erstellte das zwischenzeitlich gegründete Unternehmen Stemmer Imaging dann ein kundenspezifisches System zur optischen Kontrolle von Dachziegeln: Es handelte sich dabei um einen VMEbus-Aufbau mit Pipeline-Prozessoren. PC-Prozessoren waren damals noch zu langsam für diese schnelle und komplexe Real-Time-Anwendung.

Von einem ärgerlichen Erlebnis aus der Frühphase der industriellen Bildverarbeitung berichtete Bernd Franz, Gründer und heute Chairman von Framos: "Nach langen Jahren der technischen Beratung bekamen wir etwa 1990 unseren ersten großen Auftrag zur Lieferung von CCD-Bildsensoren." Der Auftrag wurde aber plötzlich storniert, und wir blieben erstmal auf den Produkten sitzen", skizziert Franz die damals noch recht unsichere Zeit.