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Embedded Vision: Die Ziele des Online-Portals 'Imaginghub'

Die Firma Basler hat mit dem 'Imaginghub' ein Online-Portal ins Leben gerufen, das sich dem Thema Embedded Vision verschrieben hat. Was konkret dahintersteckt, erläutert Sebastian von Holdt, Produktmanager bei Basler.

Online-Portal Imaginhub, Basler Bildquelle: © Basler

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Herr von Holdt, was verbirgt sich hinter dem ‚Imaginghub‘?

von Holdt: Im Zuge des anhaltenden Fortschritts in der Computer-Industrie ergeben sich laufend neue Möglichkeiten für Systementwickler. Ein wesentlicher Treiber hierfür ist die Verbreitung immer leistungsstärkerer Embedded-Processing-Plattformen, die vor allem durch kleine Bauformen und preisliche Attraktivität bestechen. Hierdurch werden Unternehmen in die Lage versetzt, Systemdesigns umzusetzen, die vor einigen Jahren noch gar nicht denkbar waren. Single Board Computer wie der Raspberry Pi zum Beispiel bieten Professional Makern die technologischen Voraussetzungen, die sie zur Umsetzung ihrer zum Teil unkonventionellen Ideen brauchen. 

Mit dem Schwung aus der Maker-Szene und der zunehmenden Digitalisierung von Geschäftsmodellen bahnt sich der Embedded-Computing-Trend seinen Weg in die Entwicklungsabteilungen großer Industrieunternehmen und OEMs. Dies lässt den Einsatz industrietauglicher Systems on Chip, Systems on Module oder Single Board Computer stetig wachsen. Die Aus­wirkungen dieses Trends sind auch in der Vision-Industrie spürbar. Und Anbieter von Industriekameras investieren folgerichtig unter dem Schlagwort ‚Embedded Vision‘ in die Entwicklung ­kostengünstiger, hoch integrierbarer Boardlevel-Kameras, die eine direkte Anbindung an Prozessorarchitekturen wie zum Beispiel die ‚Zynq-7000 SoC‘-Familie von Xilinx ermöglichen. Die Firma Basler ist einer dieser Anbieter. Was auf der einen Seite einen direkten Bilddatentransfer, mehr Flexibilität in der Entwicklung und vor allem Beschleunigungsoptionen für die Anwendung ermöglicht, ruft allerdings auf der anderen Seite den Bedarf an Spezialwissen fernab gängiger Standards, erhöhte Integrationsaufwände und damit eine höhere Anfangsinvestition für die Systementwicklung hervor. 

Genau an diesem Punkt setzt der Imaginghub an: Als Online Community richtet sich das Portal an Entwickler, Professional Maker und technische Entscheidungsträger, die vor der Aufgabe stehen, ein Kameramodul mit einer dazu passenden Embedded-Processing-Plattform in ihr Systemdesign zu inte­grieren. Dabei begleitet die Plattform die verschiedenen Phasen des Design-In-Prozesses mit Hilfe­stellung aus der Community und ­begünstigt zudem den Austausch von Ideen, Erfahrungen und fertigen Lösungen für das Thema Embedded Vision.

Darüber hinaus ermöglicht der Imaginghub ein Zusammenfinden von Community-Mitgliedern zur Umsetzung konkreter Projekte und erleichtert die Suche nach geeigneten Partnern, die ihre Expertise im Bereich Software, Hardware oder Systemintegration zur Verfügung stellen.

Sebastian von Holdt, Basler Bildquelle: © Basler

Sebastian von Holdt: "Das Online-­Portal 'Imaginghub' versteht sich als zentrale Anlaufstelle für das Thema Embedded Vision."

Wie sehen die Zielsetzungen aus?

von Holdt: Embedded Vision ist nicht nur eines der aktuellsten Schlagworte in der Vision-Industrie, sondern auch ein Technologie-Ansatz, der sich quer durch alle Branchen und Märkte bewegt. Bei der Umsetzung eines Systems auf Basis dieses Ansatzes müssen Ingenieure oftmals auf den langwierigen Austausch mit Herstellern, eine mühsame Internet-Recherche mit durchschnittlichen Ergebnissen oder ihren eigenen Erfahrungsschatz vertrauen. Der Imaginghub löst dieses Dilemma und bringt, fokussiert auf das Thema Embedded Vision, unterschiedliche Fragestellungen, Erfahrung zur Lösungsfindung sowie konkrete Designansätze an einem Ort zusammen. Dadurch sparen Entwickler in der Konzeptionsphase eines Systems enorm an Zeit, was sich positiv auf die Produktentwicklungskosten auswirken kann. Das gilt gleichermaßen für Unternehmen, die von einem Standard-Machine-Vision-Ansatz zu einem Embedded-Vision-Ansatz migrieren, und für solche, die bereits Erfahrung mit Embedded-Technologien in der Produktentwicklung haben. 

Neben der Hilfestellung durch die Community möchte das Portal Kom­ponenten- und Lösungsanbietern die Möglichkeit bieten, sich aktiv in die Embedded-Vision-‚Branche‘ ein­zubringen. Durch ein Netzwerk von Lösungssuchenden auf der einen und Lösungsanbietern auf der anderen Seite können nicht nur das eigene Markt­verständnis geschärft und Kunden­anforderungen gesammelt werden, sondern es entstehen auch konkrete geschäftliche Möglichkeiten für die mitwirkenden Unternehmen. Darüber hinaus soll die branchenübergreifende Zusammenarbeit durch die Vernetzung der Portal-Nutzer und -Partner gefördert werden. 

An wen wendet sich das Portal?

von Holdt: Wir wenden uns hauptsächlich an Entwickler und technische Entscheidungsträger, die sich beruflich mit dem Thema Embedded Vision auseinandersetzen müssen oder wollen. Dabei stammen die Personen nicht zwangsläufig aus dem Machine-Vision-Umfeld; gerade Embedded-Systementwickler, die vielleicht noch nie mit dem Thema Bildverarbeitung in Berührung gekommen sind, finden im Online-Portal Hilfestellung zur Integration einer Kamera. Neben den professionellen Anwendern adressieren wir die Zielgruppe der ‚Professional Maker‘, also all diejenigen, die ihr privat gesammeltes Know-how in ein erstes Produkt ­fließen lassen, das sie durch ein eigens gegründetes Start-up, häufig im Zu­sammenspiel mit Crowd-Funding-Kampagnen, vermarkten. 

Wie ist das Portal aufgebaut?

von Holdt: Momentan unterteilt sich der Imaginghub in drei große Bereiche: Der erste Bereich ist ein klassisches Forum, in dem sich Nutzer frei zu un-terschiedlichen Themen austauschen können.

Der zweite Bereich sind die Projekträume. Nutzer der Community können im Portal Projekte anlegen, um gemeinsam an Anwendungen zu arbeiten. Die Projekträume bieten Möglichkeiten zur Dokumentation des Vorhabens, eine Anbindung an ‚GitHub‘, eine einfache Taskliste sowie weitere Tools, um das Projekt zu organisieren. Zudem steht den Projektmitgliedern ein privates Forum für die interne Kommunikation zur Verfügung. Die Projekträume erfüllen aber noch einen weiteren Zweck: Sie ermöglichen die Dokumentation von Hardware- sowie Software-Referenz-designs, die andere Nutzer zur Entwicklung ihrer eigenen Anwendung nutzen können.

Von dieser Möglichkeit profitieren auch die Partner im Partnerbereich, dem dritten großen Bereich des Portals. Hier können Nutzer der Community auf Basis von Stichwörtern nach geeigneten Software-, Hardware- oder Systemintegrationspartnern suchen. Die Partner wiederum können ihre Kompetenzen, Produkte und Lösungen auf eigenen Profilseiten zusammenfassen. Neben zahlreichen regionalen Integrationspartnern und Lösungsanbietern sind hier auch Konzerne wie Advantech, Xilinx oder Nvidia vertreten. 

Welche Rolle übernimmt Basler in diesem Rahmen?

von Holdt: Die Online Community Imaginghub wird zwar von Basler gesponsert, versteht sich darüber hinaus aber als unabhängig und trägt deshalb das Label ‚Powered by Basler‘. Die im Partnerbereich aufgeführten Unternehmen stammen aus dem Partnernetzwerk von Basler, das aktiv betreut wird. Innerhalb dieses Gefüges präsentieren wir uns als Lieferant von Kamera-Komponenten in der Kategorie Hardware. 

Wer darf sich beteiligen? Wie sieht es mit direkten Wettbewerbern aus dem Markt aus?

von Holdt: Der Imaginghub ist eine offene Community, an der sich jeder ­aktiv beteiligen kann, sofern er die Community Guidelines nicht verletzt. Dies gilt auch für andere Kamerahersteller und ebenfalls für direkte Wett­bewerber. Es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, als Partner nur in das Im­aginghub-Partnernetzwerk einzutreten. Dieses wird zwar auch aktiv von den Partner-Managern von Basler verwaltet, wurde aber speziell für die Aufnahme von Unternehmen mit einer größeren thematischen Überlappung zu Baslers eigenen Produkten geschaffen. Mit diesem Status profitieren Unternehmen allein von der Darstellung im Online-Portal und den daraus resultierenden Interaktionen.