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Nachgehakt bei Jonas Urlaub: Die Schnittstelle zum Motor

Vor eineinhalb Jahren haben sich die Geber-Hersteller Baumer, Hengstler und Kübler ­zusammengetan, um mit ‚SCS open link‘ eine offene Einkabel-Lösung zwischen Motor und Drive zu etablieren. Was ist daraus geworden? Jonas Urlaub von Kübler bezieht Stellung.

Jonas Urlaub Bildquelle: © Kübler

Jonas Urlaubist Teamleiter Produktmanagement beim Drehgeber- und Sensorikanbieter Kübler.

Herr Urlaub, im Oktober 2017 wurde ‚SCS open link‘ von den besagten Firmen mit großem Medien-Echo vorgestellt. Seither ist es recht ruhig geworden um die neue Geber-Schnittstelle – kommt das Thema im Markt nicht an?

Jonas Urlaub: ‚SCS open link‘ ist ein sehr intensives Thema, sodass wir beziehungsweise jedes Unternehmen aus dem ­Konsortium in den zurückliegenden Monaten wenig Ressourcen frei hatten, um auch über die Medien die Einkabel-Lösung ­weiter zu verbreiten. Von daher konnte der von Ihnen ange­sprochene Eindruck durchaus entstehen. Tatsächlich ist es jedoch ganz anders: Wir haben schon etliche Anfragen erhalten, viele technische Gespräche geführt und auch konkrete Um­setzungen. Kurzum: In 2019 wird man viele Neuerungen zu SCS open link sehen.

Können sie das konkretisieren?

Jonas Urlaub: Es gibt aktuell ein paar entscheidende Weiterentwicklungen, die wir gerade mit unserer Community ausrollen. So wurde im ersten Quartal 2019 beispielsweise die Safety-Zertifizierung des Protokolls abgeschlossen. Dies war ein wichtiger Schritt zur Vereinfachung bei der Implementierung von SCS open link. Zudem wird es eine Bus-Funktionalität geben, welche es ermöglicht, weitere Sensoren als Teilnehmer mitkommunizieren zu lassen – und dies physikalisch nicht unterhalb des Knotens des Gebers, sondern parallel dazu, wie man es von einem Feldbus kennt. 

Über das Protokoll hinaus wollten Sie das mechanische Anschluss­konzept standardisieren. Was ist diesbezüglich passiert?

Jonas Urlaub: Diesbezüglich müssen wir leider zugeben, dass wir vielleicht zu ambitioniert waren. Einen Standard zu entwerfen ist nicht schwer, ihn dann auch zum Leben zu erwecken leider schon. Will heißen: Vorerst hat uns die Realität eingeholt und das V­orhaben ist bedauerlicherweise an der mangelnden Bereitschaft der weiteren, auf dem Markt befindlichen Systeme gescheitert, sodass es auf absehbare Zeit keinen echten mechanischen ­Standard geben wird.

Auf der Website von SCS open link findet sich bis dato kein einziger Drive-Anbieter. Haben die Antriebshersteller kein Interesse an der neuen Einkabel-Lösung? Anders gefragt: Wäre es für den Erfolg von SCS nicht wichtig, dass gerade aus der Drives-Ecke ein klares Bekenntnis zu SCS kommt – idealerweise von führenden Firmen wie Siemens oder auch SEW?

Jonas Urlaub: Das stimmt. Die Hersteller, die daran arbeiten, haben ihr Bekenntnis dazu selbst noch nicht veröffentlicht. Daher können wir hier auch noch keine Namen nennen. Die meisten Hersteller sehen SCS open link nicht als Alternative, die der Anwender auswählen kann, sondern schnüren konkret ein Vorteilspaket für ihre Kunden – teilweise geht das mit neuen Motoren oder neuen Drives einher. Zudem werden wir in 2019 noch weitere Hürden für eine einfache Implementierung abbauen. Das Zertifikat war nur der erste Schritt. Außerdem treiben wir die technische Weiterentwicklung voran, sodass wir auch die Ideen von Morgen in puncto Schnelligkeit, Flexibilität und hinsichtlich der Verarbeitung nicht zyklischer Daten umsetzen können. Dies werden wir dann zum gegebenen Zeitpunkt bekannt geben.

Zudem wollten Sie SCS nicht auf ein weiteres Protokoll für Weg- und Winkelsensoren reduziert sehen, sondern als ein Protokoll, das sich ebenfalls für die Einbindung weiterer antriebsnaher Sensorfunktionen eignet. Welche Resonanz haben Sie hierauf bekommen?

Jonas Urlaub: Die Resonanz war und ist weiterhin groß. Die eingangs erwähnte Weiterentwicklung in puncto Sensoren kommt sehr gut an. Wir sehen SCS open link tatsächlich als eine Schnittstelle zwischen dem mechanischen Antrieb mit allem was darum verbaut sowie angeschlossen wird und dem elektronischen Antriebsregler. Wir haben aber nur mit wenigen Herstellern wirklich vertiefende Gespräche geführt, da wir den so wichtigen Zertifizierungsschritt und die weiteren Entwicklungen nicht ausbremsen wollten. In diesem Punkt werden wir aber Ende 2019 wieder Fahrt aufnehmen, um der Community auch weitere Sensorik-Hersteller präsentieren zu können. Hier ist jeder wieder eingeladen, aktiv auf uns zuzukommen.