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Industrie 4.0 in der Landwirtschaft: Die 'digitale Verwaltungsschale' der Kartoffel

Fortsetzung des Artikels von Teil 2.

Verkauft wird die Verfügbarkeit

Forscher der TU Kaiserslautern (TUK) entwickeln zusammen mit Industriepartnern neue ­Geschäftsmodelle für die Landmaschinen-Branche: Dabei wird nicht mehr wie bisher der Traktor oder der Mähdrescher als Produkt sondern als Service verkauft.

Viele Landmaschinen stellen für Bauern eine riesige Investition dar. Dabei benötigen sie die Maschinen oft nur an wenigen Tagen im Jahr. Vor diesem Hintergrund zielen die neuartigen Geschäftsmodelle, an deren kommerzieller Realisierbarkeit die Forscher aus Kaiserslauterern derzeit arbeiten, darauf ab, ‚nur noch‘ die Verfügbarkeit der benötigten Landmaschine für einen bestimmten Zeitraum zu verkaufen. Für den Anbieter bedeutet das: Er muss gewährleisten, dass seinem Kunden die gewünschte Maschine innerhalb der gebuchten Zeit möglichst zu 100 % zur Verfügung steht.

Technisches System, Uni des Saarlandes Bildquelle: © TUK/Thomas Koziel

Thomas Eickhoff (li.) und Hristo Apostolov von der TU Kaiserslautern arbeiten unter anderem an einem technischen System, das den Ausfall der Maschinen vorzeitig entdeckt.

Eine solche Verfügbarkeit von technischer Seite her zu garantieren, daran arbeiten die Forscher der TUK gemeinsam mit IT- und Telekommunikationsunternehmen, Anbietern von Softwaresystemen, Beratungsunternehmen, Industriezulieferern und den Landmaschinenherstellern John Deere und Grimme sowie dem Antriebstechnik-Unternehmen Lenze, die ihnen für die Entwicklungstätigkeiten die entsprechenden Maschinen, Geräte und Daten zur Verfügung stellen.

„Im Projekt entwickeln wir ein Gesamtsystem, das die Maschinen derart überwacht, dass wir früh erkennen, wann es zu einem Ausfall kommen kann“, sagt Thomas Eickhoff vom Lehrstuhl für Virtuelle Produktentwicklung an der TUK. Zum Einsatz kommen dazu Sensoren, die den Ingenieuren Daten über den Zustand der Geräte liefern. Bei einer Kartoffelernte-Maschine können sie zum Beispiel das Förderband überwachen und Daten sammeln. „Diese werten wir aus, um Störungen und Ausfälle des Bands rechtzeitig vorherzusagen“, fährt Apostolov fort. Der Hersteller könnte sich dann beispielsweise darum kümmern, dass ein Servicetechniker noch vor dem Ausfall der Maschine zum Kunden fährt.

Bei Traktoren und anderen Maschinen gibt es unzählig viele Variationsmöglichkeiten, je nach Bedarf der Landwirte können sie mit verschiedenem Zubehör ausgestattet sein. „Kommt es zu einem Ausfall, muss schnell Ersatz her. Dies ist aber nur möglich, wenn man ganz genau weiß, welches Teil wo verbaut ist“, so Eickhoff. Mit dem digitalen Zwilling der Landmaschinen, den die Kaiserslauterer Forscher ebenfalls entwickeln, sollen alle notwendigen Daten von einzelnen Bauteilen bis hin zu Reparaturanleitungen in einer Datenbank digital hinterlegt werden. Dafür entwickeln sie ein intelligentes Informations­managementsystem, in dem alle wichtigen Informationen zu den Maschinen nutzerfreundlich zusammengestellt sind.
Die aktuellen Arbeiten laufen unter dem Verbundforschungsprojekt ‚InnoServPro‘ (Innovative Serviceprodukte für individualisierte, verfügbarkeitsorientierte Geschäftsmodelle für Investitionsgüter), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Forschungsprogramms „Innovationen für die Arbeit von morgen – Forschung für Produktion und Dienstleistung der Zukunft“ gefördert wird.