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SEW-Eurodrive: Antriebstechnik im Umbruch

Auf der SPS IPC Drives im November vergangenen Jahres waren sie erstmals zu sehen, seit Ende März sind sie lieferbar: die ersten Bausteine der komplett neuen Antriebstechnik-Generation von SEW-Eurodrive.

Claus Wieder von SEW-Eurodrive Bildquelle: © Computer&AUTOMATION

Claus Wieder, SEW-Eurodrive: "Dank des höheren Integrationsgrads und der verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten von Movi-C können nun extrem einfach neue Anwendungen erschlossen werden."

Die Fabrik der Zukunft wird komplett anders aussehen, als dies heute der Fall ist – davon ist Dr. Hans Krattenmacher, Leiter der Elektronik-Entwicklung beim Bruchsaler Unternehmen SEW-Eurodrive, überzeugt. Kennzeichnend für die Smart Factory von morgen seien autarke Prozess- beziehungsweise Produktionsmodule, die jeweils alles mitbringen, um sich – je nach Fertigungsauftrag – flexibel und per ‚plug & play‘ in ein Produktionsnetzwerk einzubinden. Für die Intralogistik bedeute dies: „Wir reden erstmals darüber, dass die Applikation, so wie wir sie seit mehr als drei Jahrzehnten kennen – sprich die stationäre Fördertechnik –, zum Großteil zugunsten mobiler und autonomer Assistenzsysteme wegbricht!“

Die Fähigkeit zur Vernetzung ist in diesem Kontext das Schlagwort, dem sich laut Krattenmacher weder die ­Automatisierungstechnik-Anbieter noch die Maschinenbauer entziehen dürfen. Was passieren kann, wenn man es doch tut, macht er an einem Beispiel aus der Consumer-Welt fest: „Vor nicht allzu langer Zeit war ein Unternehmen namens Quelle Europas größter Versandhändler. Heute gibt es ihn nicht mehr! Warum? Irgendwann kam einer aus dem Silicon Valley, der nichts anders gemacht hat – außer, dass er sich auf Basis einer modernen Plattform vernetzt hat.“ Insofern verbindet der Entwicklungsleiter den Fall Quelle mit einer eindrücklichen Warnung an die eigene Branche: „Der europäische und der deutsche Maschinenbau muss aufpassen, dass ihm nicht dasselbe passiert!“

Dr. Hans Krattenmacher von SEW-Eurodrive Bildquelle: © Computer&AUTOMATION

Dr. Hans Krattenmacher, SEW-Eurodrive: "Wir dürfen uns nicht von anderen Branchen die Butter vom Brot nehmen lassen!"

Einhergehend mit der angesprochenen Fähigkeit zur immer stärkeren ­Vernetzbarkeit der Automatisierungs­lösungen wird der Maschinenbau ­Krattenmacher zufolge „dazu ‚verdammt‘ sein, seine Werte beziehungsweise Geschäftsmodelle mehr und mehr in Richtung Software zu verschieben.“ Zwar werde die Hardware – und damit unter anderem die Antriebselektronik – angesichts dieser Entwicklung immer mehr ‚Mittel zum Zweck‘; nichtsdestotrotz dürfe auch in diesem Punkt die Entwicklung keinesfalls stehen bleiben. Dem Rechnung tragend, läutet SEW derzeit einen Generationswechsel seiner aktuellen, im Jahr 1996 eingeführten Frequenzumrichter-Generation ein. Die neue Technologie-Plattform, bei der – wie könnte es anders sein – die Aspekte Software-Durchgängigkeit beziehungsweise Vernetzungsfähigkeit eine wesentliche Rolle spielen.

Ein zentraler Baustein der so genannten Movi-C-Generation ist die neue, ­intuitive Engineering-Software ‚Movi­suite‘. Sie vereint durchgängig Inbetriebnahme, Konfiguration und Diagnose – egal ob Standard- oder funktional sichere Komponenten, ob einzelne Umrichter oder ganze Maschinen und Anlagen. Ergänzend zur klassischen Programmierung soll eine Vielzahl von vorgefertigten Software-Applikationsmodulen dazu beitragen, die Komplexität deutlich zu reduzieren, indem sich anspruchsvolle Bewegungskinematiken durch einfache Parametrierung realisieren lassen.

Viel Wert sei vor allem auf die Durchgängigkeit von Movi-C gelegt worden: „Von der Steuerung bis zum Getriebemotor vertikal sowie durch alle Elektronikprodukte horizontal steht der gesamte Automatisierungsbaukasten zur Verfügung – und das mit nur einer einzigen Engineeringsoftware“, so Claus Wieder, Leiter Marktmanagement bei SEW-Eurodrive. Durchgängigkeit bedeute bei Movi-C ebenso die optimale Regelung be­ziehungsweise Steuerung unterschiedlichster Motortypen wie Asynchronmotoren, Synchronmotoren, Servomotoren und LSPM mit nur einem Umrichter. Nicht zuletzt will SEW-Eurodrive mit der neuen Antriebselek­tronik auch in Hinblick auf die Performance neue Maßstäbe setzen. So kann das Multiachssystem beispielsweise bei Einsatz des Movi-C-Controllers ‚power‘ bis zu 32 interpolierte Achsen in nur 1 ms regeln. Die Programmierung erfolgt in IEC 61131 unter Einbindung standardisierter Applikationsmodule für Motion Control (mit grafischer Bedienung), Peripheriekom­ponenten werden per Ethercat angebunden. Weitere Vorteile in der Installation verspricht SEW-Eurodrive unter anderem durch die verwendete Einkabeltechnologie und Doppelachsmodule sowie standardmäßig integrierte Sicherheitstechnik in allen Achsen.

Bereits zur SPS IPC Drives im ­November vergangenen Jahres konnten die Messebesucher erste Bausteine der neuen Technologie-Plattform begut­achten, darunter das Multiachs-Um­richtersystem ‚Movidrive modular‘. Zur Hannover Messe im April folgten weitere Komponenten – unter anderem neue Sicherheits-Op­tionskarten. Die allgemeine Verkaufsfreigabe für Movi-C erfolgte Ende März.