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Lineare Direktantriebstechnik: Schnellerer Materialvorschub per Magnetfeld

Fortsetzung des Artikels von Teil 2.

Geringer Energieverbrauch

Gemeinsam haben es Tecodrive und Kollmorgen also geschafft, einen Vorschub zu konzipieren, der Kennzahlen erreicht, die mit Walzen niemals möglich wären – allein schon deshalb, weil sich die Massen gar nicht so schnell ausregeln lassen. Der Vorschub besitzt hingegen keine eigene Masse, weil er nur aus einem Magnetfeld besteht. Der Prozess reduzierte sich damit – einfach ausgedrückt – auf das masselose Ein- und Ausschalten des Stroms. Mit diesem Prinzip sind in der Praxis noch weitere Vorteile verbunden: Das Schalten erfolgt geräuschlos und frei von mechanischen Belastungen. Dieser Aspekt steigert gerade im Hochleistungsbetrieb erheblich die Lebensdauer der Pro­duktionsmittel, weil es keinen mechanischen Verschleiß in der Vorschubeinheit gibt.

Flexfeed im Einsatz Bildquelle: © Torsten Sienk

Der Flexfeed ist bereits erfolgreich bei einem Leuchtenhersteller sowie einem Automobilbauer im Einsatz.

Und noch ein weiterer Punkt lässt ­aktuell auch Firmen im direkten und ­indirekten Automobilumfeld aufhorchen: Die Neuentwicklung benötigt nur einen Bruchteil der Energie, die ein Walzenvorschub zur Versorgung aufnimmt. "Wir müssen zwar einen 35-kW-Servoregler von Kollmorgen einsetzen, um den notwendigen Magnetisierungsstrom zu erreichen, die reine Wirk­leistung beträgt aber nur 700 Watt", so Dr. Olaf Marthiens. Für seinen Mit­geschäftsführer Hans-Jörg Lindner sprechen diese Vorteile zudem dafür, in der Materialzuführung gewohnte Wege zu verlassen: "Wir haben es bei Trilux geschafft, aus zwei Anlagen eine zu machen – und dieses bei gleicher Produktivität sowie mit deutlich weniger Platzbedarf und Aufwand für die Werkzeuge." Ähnlich gute Erfahrungen habe es bei Volkswagen in ­Hannover Stöcken gegeben. Auch dort habe die neue Technik bereits die ­Rüst-, Wartungs- und Stillstandzeiten bei der Produktion filigraner Kühler­lamellen erheblich reduziert. Flexfeed ist aktuell konzipiert für alle elektrisch leitfähigen Metalle mit Banddicken bis 3 mm und Bandbreiten zwischen 10 und 500 mm.

Autor:
Dr. Arne Linder ist Produktmanager bei Kollmorgen Europe.