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Sebastian Markert, Sumitomo

Anwender profitieren vom höheren Integrationsgrad

26. November 2020, 07:00 Uhr   |  Andrea Gillhuber

Anwender profitieren vom höheren Integrationsgrad
© Sumitomo

Sebastian Markert, Department Manager Global R&D Servo Drive Systems bei Sumitomo

Durch die digitale Transformation ergeben sich für die gesamte Automatisierungstechnik neue Möglichkeiten. Welches Potenzial Industrie 4.0, Industrial IoT und Co. für die Antriebstechnik bereithalten, erläutert Sebastian Markert im Interview.

Unser Gesprächspartner: Sebastian Markert, Department Manager Global R&D Servo Drive Systems bei Sumitomo

Welche neuen Anwendungsfelder sehen Sie in der Antriebstechnik vor dem Hintergrund der Digitalisierung?

Sebastian Markert: Künftig werden wir unsere Getriebe immer um viele weitere Komponenten wie Motoren, Bremsen und auch Steuerungselektronik erweitern. Dieser höhere Integrationsgrad ermöglicht es uns, neue Anwendungsfelder zu erschließen: Beispielsweise kann dann ein Kunde diese Systeme verwenden, wenn er eine spezielle Idee hat, um etwas zu bewegen und sich auf das große Ganze konzentrieren möchte. Damit wird er die Verwirklichung seiner Vision deutlich schneller erreichen, als wie bisher Usus, zunächst die Antriebsachse zu entwickeln und abzustimmen. Allerdings werden auch klassische Kunden vom höheren Integrationsgrad profitieren: Durch die exakte Abstimmung der zusätzlichen Komponenten auf das Getriebe, ergibt sich die Möglichkeit vielerlei Kompensationsalgorithmen zu implementieren. Dies führt zu Performanceverbesserungen, wie sie durch reine Mechanik nicht zu erreichen wären. Natürlich spielt auch die Vernetzung der Systeme weiterhin eine große Rolle und ermöglicht den Eintritt in das digitale Zeitalter. Zusammengefasst werden sowohl auf Basis der Visionen Einzelner ganzheitlich neue Maschinen erschaffen sowie bestehende Systeme in ihrer Performance verbessert und auch intelligent gemacht, um in die Industrie 4.0 aufzubrechen.

Haben Sie bereits intelligente Antriebslösungen für die vernetzte Produktion mit Hinblick auf Industrie 4.0 im Programm oder in Entwicklung? Wenn ja, welche Schwerpunkte haben Sie gesetzt?

Sebastian Markert: Ja! Bereits im Dezember 2019 haben wir auf der IREX Messe in Tokyo unsere ersten Aktuator Prototypen für die Anwendung in der Robotik ausstellen können. Dort haben wir Getriebe, Motor, Bremse und Driver in einem System vereint, um ein höchst effizientes und smartes System auf die Beine zu stellen. Seither haben wir die Entwicklung stetig weitergetrieben und arbeiten derzeit an der nächsten Generation. Derzeit können wir noch nicht viele Details preisgeben – allerdings kann festgehalten werden, dass der Integrationslevel auf die Spitze getrieben wird. Die Kunden werden künftig zum Betrieb nur noch eine 48V Spannungsversorgung bereitstellen und eine EtherCAT Verbindung herstellen müssen. Mit dem entsprechenden Controller ist das Gesamtsystem in kurzer Zeit aufgebaut und einsatzbereit. Die Entwicklung von Systemen zur Anwendung in der Robotik stellt damit einen zentralen Schwerpunkt dar.

Im Bereich der Industrieprodukte liegt der Schwerpunkt auf dem Thema Condition Monitoring und zusätzlicher Sensorik. Dadurch sind z.B. eine optimale Wartung und somit die Lebensdauerverlängerung sowie bessere Ein-(Planung) des Services möglich. Mittels integrierter Sensorik können Anwendungen auf den Punkt genau gesteuert werden. Eine Drehmomentüberwachung im Getriebe kann bspw. zur exakten Regelung der benötigten Last oder zur Identifikation von Störungen genutzt werden. Bei Sumitomo Drive Technologies sind entsprechende Features direkt in der Komponente integriert. So können unsere Kunden ohne großen Aufwand diese zusätzlichen Informationen nutzen (z.B. zur Schadensvermeidung oder Qualitätssicherung). Durch Vernetzung mehrerer Komponenten kann die Informationsgenerierung noch weiter gesteigert werden.

Welchen Herausforderungen muss sich Ihrer Meinung nach die Antriebstechnik noch zeitnah stellen?

Sebastian Markert: Durch den stetigen Trend zu komplexen Systemen müssen Antriebshersteller - aufgrund der sich verändernden Kunden- und Marktanforderungen - verstärkt auch die Themen Steuerung und Sicherheit übernehmen. So wurde zum Beispiel die von Sumitomo und Lafert entwickelte Drive Package Solution für AGVs mit einer Motorsteuerung geliefert, in der u.a. Safe Off Torque Features nach individuellem Kundenbedarf integriert wurden. Der Sicherheitsgedanke (auch Ausfallabsicherung) hat bei Antriebsherstellern u.a. zur Entwicklung von Condition Monitoring Lösungen geführt, um den technischen Zustand einer Maschine kontinuierlich überwachen zu können. Genauso verhält es sich in der Entwicklung unserer Aktuatoren für die Anwendung in der Robotik. Dort integrieren wir bereits verschiedenste Sensoren, deren Signale direkt vom integrierten Driver verarbeitet werden müssen. Um schlussendlich ein sicheres und hoch performantes System anbieten zu können, müssen wir die Signalverarbeitung und Softwareanbindung verstehen und optimieren. Diese Aufgaben wie auch die allgemeine Entwicklung und Integration von Elektronikkomponenten stellen uns natürlich vor neue Herausforderungen, die wir jedoch mit höchster Motivation und Freude meistern werden. We will get it done!

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