Siemens Quartalszahlen Q4/2025
Rekordergebnisse und neuer strategischer Kurs
Mit einem Gewinn von 10,4 Mrd. Euro und Rekordwerten im industriellen Geschäft schließt Siemens das Geschäftsjahr 2025 ab. Im Rahmen seiner ‚One Tech Company‘-Strategie investiert der Konzern eine Milliarde Euro in Künstliche Intelligenz und will sein Digitalgeschäft bis 2030 verdoppeln.
Im vierten Quartal 2025 setzte Siemens seinen Wachstumskurs fort. Die Umsatzerlöse stiegen auf vergleichbarer Basis um 6 %, während der Auftragseingang trotz eines Rückgangs im Segment Mobility nach einem außergewöhnlich starken Vorjahr insgesamt nahezu stabil blieb und nur 1 % unter dem Vorjahreswert lag. Nominal erhöhte sich der Umsatz um 3 % auf 21,4 Mrd. Euro, der Auftragseingang sank leicht auf 21,9 Mrd. Euro. Das Book-to-Bill-Verhältnis betrug 1,02.
Das Ergebnis des industriellen Geschäfts legte um 2 % auf 3,2 Mrd. Euro zu; die Ergebnismarge belief sich auf 15,3 %. Der Gewinn nach Steuern ging um 13 % auf 1,8 Mrd. Euro zurück. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie (EPS) lag bei 2,07 Euro, das EPS vor PPA-Effekten (Purchase Price Allocation, Kaufpreisallokation) bei 2,30 Euro; belastet wurde dies durch Effekte aus Altair und Dotmatics in Höhe von 0,21 Euro. Der Free Cash Flow aus fortgeführten und nicht fortgeführten Aktivitäten erreichte mit 5,3 Mrd. Euro einen neuen Quartalsrekord.
Rekordwerte im Gesamtjahr 2025
Auch im Gesamtjahr konnte Siemens seine Prognosen erfüllen und vielfach übertreffen. Auf vergleichbarer Basis stieg der Auftragseingang um 6 %, die Umsatzerlöse legten um 5 % zu. Nominal erreichten sie 88,4 Mrd. Euro beziehungsweise 78,9 Mrd. Euro. Das Book-to-Bill-Verhältnis blieb mit 1,12 auf hohem Niveau.
Das Ergebnis des industriellen Geschäfts erhöhte sich um 3 % auf den neuen Höchstwert von 11,8 Mrd. Euro. Der Gewinn nach Steuern stieg um 16 % auf 10,4 Mrd. Euro und markierte damit zum dritten Mal in Folge einen historischen Rekord. Das EPS vor PPA betrug 12,95 Euro; bereinigt um Sondergewinne aus dem Verkauf von Innomotics sowie den Effekten aus Altair und Dotmatics lag es bei 10,71 Euro und entsprach damit exakt der Jahresprognose. Der Free Cash Flow erhöhte sich deutlich auf 10,8 Mrd. Euro. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen eine Dividendenerhöhung von 5,20 auf 5,35 Euro je Aktie vor.
„Siemens ist heute stärker denn je – mit einem Rekordgeschäftsjahr 2025. Unsere Strategie geht auf. Wir wachsen, indem wir die reale und die digitale Welt miteinander verbinden. Mit unserem One Tech Company Programm treten wir in die nächste Wachstumsphase ein und erhöhen unsere mittelfristige Ambition für das Umsatzwachstum auf eine Bandbreite von 6 bis 9 %”, sagte Vorstandsvorsitzender Roland Busch. „Mit einem hochgradig synergetischen Portfolio planen wir, unseren Umsatz im Digitalgeschäft zu verdoppeln, unsere Position in Wachstumsregionen und Verticals auszubauen und unsere KI-Angebote mit Investitionen von 1 Milliarde Euro in den nächsten drei Jahren zu skalieren.”
One Tech Company: Siemens startet in die nächste Wachstumsphase
Mit dem Programm ‚One Tech Company‘ stellt Siemens die Weichen für die nächste strategische Entwicklungsphase. Das Unternehmen will seine technologische Stärke in Software, Hardware und Services noch stärker bündeln und ein durchgängig vernetztes Portfolio schaffen. Ziel ist, die reale und digitale Welt weiter zu verschmelzen und so profitables Wachstum nachhaltig zu sichern.
Siemens hebt die mittelfristige Ambition für das Umsatzwachstum auf 6 bis 9 % an. Das Ergebnis je Aktie vor PPA soll im hohen einstelligen Bereich zulegen. Zugleich bekräftigt das Unternehmen seine progressive Dividendenpolitik, die auch nach der geplanten Entkonsolidierung von Siemens Healthineers fortgeführt wird.
Ein zentrales Ziel ist die Verdoppelung des Digitalgeschäfts bis 2030. Dafür plant Siemens Investitionen von 1 Mrd. Euro in Künstliche Intelligenz in den kommenden drei Jahren. Nach der Entkonsolidierung von Healthineers will Siemens sein Portfolio gezielt auf Felder mit langfristigen Wachstumstreibern ausrichten – darunter Automatisierung, Digitalisierung, Elektrifizierung, Nachhaltigkeit und KI.
Das beschleunigte Wachstum stützt sich auf vier strategische Hebel:
- Grow Digital: Seit 2021 wuchs das Digitalgeschäft im Durchschnitt jährlich um 12 % auf 9,4 Mrd. Euro. Nun erwartet der Konzern mit dem Ausbau des Digitalgeschäfts künftig 15 % jährlichem Wachstum und plant somit eine Verdopplung bis 2030. Das Software-Geschäft von Digital Industries steigerte die jährlich wiederkehrenden Umsätze (ARR) im Durschnitt um 13% pro Jahr auf aktuell 5,3 Mrd. Euro. Seitdem gewann Siemens 24.000 SaaS-Kunden (Software as a Service).
- Grow Regions: Geplant sind eine stärkere Präsenz und Investitionen in den Schlüsselmärkten USA, China und Indien. Diese diversifizierte geografische Präsenz soll die Resilienz von Siemens gegen Zölle und Handelsbeschränkungen erhöhen und einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, der ein schnelleres Wachstum als der Markt ermöglicht.
- Grow Verticals: Die Aktivitäten in dynamischen Branchen soll weiter ausgebaut werden. Als hochattraktive vertikale Wachstumsmärkte identifizierte der Konzern Schienenverkehr mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 5 %, Luft- und Raumfahrt & Verteidigung (9 %), Life Sciences (9 %), Halbleiter (10 %) sowie Rechenzentren und KI-Fabriken (11 %).
- Grow AI: Die Weiterentwicklung industrieller KI-Anwendungen soll durch gezielte Investitionen und rund 1500 Spezialisten weltweit vorangetrieben werden. Das Unternehmen nutzt KI auf drei grundlegende Arten: zur Steigerung von Innovation und Produktivität, zur Verbesserung seiner Produkte und zur Entwicklung neuer KI-Angebote. In den nächsten drei Jahren wird Siemens mehr als 1 Mrd. Euro investieren.
Ausblick auf das Geschäftsjahr 2026
Für 2026 rechnet Siemens mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum von 6 bis 8 % und einem Book-to-Bill-Verhältnis über 1. Das unverwässerte EPS vor PPA wird in einer Bandbreite von 10,40 bis 11,00 Euro erwartet. Währungseffekte dürften das Ergebnis allerdings spürbar beeinflussen.
Trotz eines weiterhin herausfordernden Umfelds sieht Siemens sich gut aufgestellt, um aus seiner technologischen Stärke, einem disziplinierten Portfoliomanagement und der konsequenten Umsetzung der ONE Tech Strategie weiteres profitables Wachstum zu generieren.
Die Geschäftsbereiche im Detail
Digital Industries
Digital Industries verzeichnete eine deutliche Zunahme des Auftragseingangs über nahezu alle Geschäftsbereiche hinweg. Ausgehend von einer niedrigen Vergleichsbasis wuchs besonders das Automatisierungsgeschäft und wurde dabei vor allem durch die kurzzyklische Fabrikautomatisierung getragen. Auch das Softwaregeschäft legte weiter zu und profitierte erneut von mehreren Großaufträgen im Bereich Electronic Design Automation sowie im Produktlebenszyklusmanagement (PLM).
Die Umsatzerlöse stiegen auf breiter Basis, angetrieben durch das Fabrikautomatisierungsgeschäft. Im Softwarebereich war das Wachstum hauptsächlich auf das PLM-Geschäft zurückzuführen. Regional nahmen Auftragseingang und Umsatzerlöse in allen Berichtsregionen zu, mit besonders starken Wachstumsimpulsen aus China.
Das Ergebnis von Digital Industries erhöhte sich trotz deutlich gestiegener Personalrestrukturierungskosten, die vor allem mit Kapazitätsanpassungen im Automatisierungsgeschäft zusammenhingen. Belastungen aus den Akquisitionen Altair und Dotmatics summierten sich auf ein Minus von 68 Mio. Euro (einschließlich Personalaufwendungen) und verringerten die Ergebnismarge um 2,0 Prozentpunkte. Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet Digital Industries ein vergleichbares Umsatzwachstum von 5 bis 10 % und eine Ergebnismarge zwischen 15 und 19 %.
Smart Infrastructure
Smart Infrastructure erzielte trotz negativer Währungseffekte ein deutliches Volumenwachstum über alle Geschäfte und Regionen hinweg. Der Auftragseingang übertraf den bereits hohen Wert des vierten Quartals 2024, unterstützt durch mehrere Großaufträge aus dem Rechenzentrums- und Energiesektor. Das Wachstum wurde vor allem von den USA getragen.
Der Umsatz stieg, angeführt von einer prozentual zweistelligen Zunahme im Bereich Electrification, der weiterhin seinen hohen Auftragsbestand abarbeitete. Regional kam der größte Beitrag aus der Region Europa, GUS, Afrika, Naher und Mittlerer Osten (Europa/GANO).
Begünstigt durch höhere Umsätze, eine bessere Kapazitätsauslastung und anhaltende Produktivitätssteigerungen legten Ergebnis und Profitabilität erneut zu. Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet Smart Infrastructure mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum von 6 bis 9 % und einer Ergebnismarge zwischen 18 und 19 %.
Mobility
Im Segment Mobility ging der Auftragseingang zurück, da das vierte Quartal 2024 ein außergewöhnlich hohes Volumen an Großaufträgen aufwies. Die Umsatzentwicklung wurde durch negative Währungseffekte gebremst. Während das Bahninfrastrukturgeschäft zulegen konnte, sanken die Umsätze im Schienenfahrzeug- und im Kundenservicegeschäft moderat gegenüber den starken Vorjahreswerten.
Das Ergebnis blieb solide, lag jedoch unter dem Vorjahr, vor allem aufgrund eines weniger günstigen Umsatzmixes. Für das Geschäftsjahr 2026 plant Mobility ein vergleichbares Umsatzwachstum von 8 bis 10 % sowie eine Ergebnismarge zwischen 8 und 10 %.
Siemens Healthineers
Siemens Healthineers verzeichnete eine durch Währungseffekte gedämpfte Volumenentwicklung, erzielte jedoch auf vergleichbarer Basis in den meisten Geschäftsbereichen Umsatzwachstum. Den größten Beitrag lieferte das Imaging-Geschäft.
Das Ergebnis lag unter dem starken Vorjahresquartal, belastet durch höhere Handelszölle. Positiv wirkten dagegen steigende Umsätze und Kosteneinsparungen im Diagnostics-Bereich im Zuge des laufenden Transformationsprogramms.
Siemens Financial Services (SFS)
Siemens Financial Services erzielte im Berichtsquartal einen soliden Ergebnisbeitrag. Das Fremdfinanzierungsgeschäft profitierte von geringeren Aufwendungen für Kreditvorsorgen und legte entsprechend zu. Im Beteiligungsgeschäft waren im Vorjahresquartal Gewinne aus Anteilsveräußerungen enthalten.
Das moderate Wachstum von SFS führte zu einem Anstieg des Gesamtvermögens, der jedoch weitgehend durch negative Währungseffekte ausgeglichen wurde.
Überleitung Konzernabschluss
Die Aufwendungen für Innovation stiegen planmäßig, vor allem im Zusammenhang mit Aktivitäten des ‚One Tech Company‘-Programms. Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte erhöhten sich infolge der Akquisitionen von Altair und Dotmatics.
Im Bereich Finanzierung, Konsolidierungen und sonstige Positionen fielen Belastungen in Höhe von 235 Millionen Euro an, die im Wesentlichen auf zentrale Finanzierungsaktivitäten zurückzuführen waren.
Für den Siemens-Konzern erwartet das Unternehmen im Geschäftsjahr 2026 ein vergleichbares Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent und ein Book-to-Bill-Verhältnis über 1. Auf Basis des prognostizierten profitablen Wachstums der industriellen Geschäfte und unter Berücksichtigung negativer Währungseffekte wird ein unverwässertes Ergebnis je Aktie vor Effekten aus der Kaufpreisallokation (EPS pre PPA) zwischen 10,40 und 11,00 Euro erwartet. Belastungen aus rechtlichen oder regulatorischen Themen sind in dieser Prognose nicht enthalten.













