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Artikel und Hintergründe zum Thema

CAD in der Fabrik

Thomas Michels, Thomas Weichsel | Meinrad Happacher,

Cloud-gestütztes Engineering

Vor rund 20 Jahren erfolgte der Umstieg von der 2D- auf die 3D-Konstruktion. Mit der jetzt anstehenden nächsten Evolutionsstufe verändert sich nicht nur die Konstruktionsmethodik, sondern es entstehen ganz neue Arten der Nutzung von Engineering-Software.

© Eplan

Die Änderungen, die in der CAD-Welt anstehen, sollen in diesem Artikel vor allem für das Anwendungsfeld der Schaltschrankbauer näher beleuchtet werden. Und die Änderungen beginnen schon auf der faktischen Ebene der Software-Nutzung: Ergänzend zu den klassischen Engineering-Lösungen, die diese Klientel in der eigenen IT-Landschaft einsetzt, bieten Schnittstellen und cloudbasierte Applikationen ein enormes Potenzial für mehr Datendurchgängigkeit und konsequente Digitalisierung. Das gilt sowohl im eigenen Unternehmen, aber auch insbesondere in der Kollaboration mit Partnern und Auftraggebern im Ökosystem der industriellen Automation. Hinzu kommen neue Lizenzmodelle der Software- Anbieter – Subscription, SaaS – die ein entscheidendes Mehr an Flexibilität mit professionellen Engineering-Lösungen ermöglichen.

Nicht mehr Fiktion sondern Realität: Per Augmented Reality lassen sich heute Prototypen eines Schaltschranks in die Produktionsumgebung projizieren.

© Eplan

Der Nutzenspender Cloud

Ob die Daten der zu bearbeitenden Projekte in der eigenen IT-Landschaft, also on premise, oder in der Cloud abgelegt werden sollen, entscheidet der Anwender. Das neue Konzept, das in diesem Beitrag am Beispiel der Eplan Plattform 2022 erläutert wird, ist nicht an die Nutzung der Cloud gebunden. Aber es entfaltet erst mit ihr den vollen Umfang seiner Vorteile. Zu diesen Vorteilen gehört das ortsunabhängige Elektro-Engineering. Das gab es in den Zeiten vor der Cloud zwar auch schon, mit Mails und FTP-Servern. Über die Eplan Cloud erhalten die Kunden jetzt allerdings eine Möglichkeit, allen Projektbeteiligten Zugang zum aktuellen und identischen Datenstand zu geben.

Vorteil ist: Elektro-Ingenieure und andere Projektbeteiligte können jetzt mit konsistenten Daten arbeiten. Die zentrale Datenbereitstellung vereinfacht den Umgang mit Projektversionen und Änderungen und erleichtert die Zusammenarbeit im Projektteam. Eine klare Zugangsberechtigung legt fest, wer welche Daten einsehen und ändern darf. Je nach Bedarf kann der Projektverantwortliche eine Berechtigung definieren und das Projekt für einen Kollegen oder den Kunden freigeben. Damit wird die Kollaboration über Standorte, Abteilungen und den Produktlebenszyklus hinweg sehr viel einfacher als bislang. Das steigert die Qualität der Projekte und die Produktivität, weil etwa die Abstimmung zwischen den Projekt-beteiligten deutlich beschleunigt vonstattengeht und Unstimmigkeiten früher erkennbar sind. Es erhöht die Transparenz und vereinfacht zum Beispiel die Installation und Inbetrieb-nahme der Schaltschränke vor Ort, weil sich Inbetriebnehmer per Laptop stets den aktuellen Datenstand aufrufen können. Und: Sie können per Redlining/Greenlining Änderungen, die sich vor Ort ergeben, direkt dokumentieren und zurück an die Kollegen im Engineering geben. Auch das steigert die Qualität der Konstruktionsdaten und sorgt für einen konsistenten ‚as built‘-Status.

Diese neuen Möglichkeiten sind nicht nur für große Unternehmen interessant, die internationale Projekte bearbeiten. Wenn zum Beispiel Schaltschrank- und Maschinenbauer zusammenarbeiten, bringt es ebenso große Vorteile, wenn sie über konsistente Daten verfügen und ein und dieselbe digitale Plattform in der Cloud nutzen können – zumal eine solche Plattform ja weder ‚gebaut‘ noch betrieben und gepflegt werden muss. Sie gehört bei Eplan beispielsweise zum Umfang des Cloud-Angebotes dazu. Die Unternehmen können also quasi zum Nulltarif und ohne Administrationsaufwand den Stand ihrer Projekte teilen, spiegeln und austauschen.

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Ein Muss: Standards definieren!

Diese deutlich erweiterte Art der Zusammenarbeit – die sich auch dadurch auszeichnet, dass alle Beteiligten sowohl Sender als auch Empfänger sein können – bringt neue Freiheiten mit sich. Das bedeutet aber auch: Der Anwender und diejenigen, die mit ihm kollaborieren, sollten Standards definieren. Sowohl für den Prozess – Wann werden Projektstände geteilt? – als auch für die Art und Weise, wie Änderungen und Kommentare einzupflegen und zu bearbeiten sind.

Solche Standards können zum Beispiel in einem Editor-System hinterlegt sein, das auch die Art der Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Kunden auf der gemeinsamen Software-Plattform – ob in der Cloud oder ‚on premise‘ – festlegt. Hier öffnet sich – über den Mehrwert der effizienten und umfassenden Kommunikation und Abstimmung hinaus – auch die Tür für neue Geschäftsmodelle.

Geschäftsmodell ‚digitaler Zwilling‘

Einige Eplan-Anwender haben diesbezüglich schon Ideen entwickelt und umgesetzt. Ein norddeutscher Schaltschrankbauer etwa, der vor allem sehr komplexe Projekte für Energieanlagen, Großschiffe und Krankenhäuser bearbeitet, bietet seinen Kunden per QR-Code am Schaltschrank Zugang zur stets aktuellen Dokumentation – über die gesamte Lebensdauer der Anlage hinweg. Damit erweitert er sein Angebot durch eine Service-Dienstleistung und hält auch permanent Kontakt zum Endanwender der Schaltschränke, dem er einen umfassenden ‚digitalen Zwilling‘ der Schaltanlage bereitstellt. Außerdem wird die Papierdokumentation dadurch überflüssig – das spart Zeit, Aufwand und Kosten.

Über Produkt-Konfiguratoren – wie beispielhaft den von Lenze - gelangen die Anwender in wenigen Schritten zu einem geeigneten Gerät des Herstellers.

© Eplan

Neue Lizenzoptionen – neue Chancen

Wenn cloudbasierte Software-Produkte nach dem Software as a Service-Modell bereitstehen, vereinfacht dies auch die ersten Schritte in Richtung Cloud. Die neuen erweiterten Möglichkeiten vereinfachen gleichzeitig aber auch das Zusammenspiel mit ‚on-premise‘ Lösungen. Der Anwender muss keinen neuen Softwarebaustein in seine Infrastruktur implementieren und auch nicht auf eine aktuelle Version migrieren. Die exakt auf die Aufgabenstellung zugeschnittenen Applikationen reduzieren die Einarbeitung und sind in der Regel intuitiv anwendbar. Er kann die neue Arbeitsweise einfach mit einem Projekt ausprobieren – und muss das im ersten Schritt nicht mit seinen Kunden abstimmen, für die sich in der Zusammenarbeit so lange nichts ändert, bis die neuen Möglichkeiten auch in der Kollaboration genutzt werden.

Ein solches Ausprobieren ist umso einfacher, wenn erste neue Dienste und Angebote kostenlos zur Verfügung stehen. Das gilt zum Beispiel für Eplan eView Free. Mit Hilfe dieses Tools können Projekte in Eplan mit anderen Beteiligten geteilt werden: über die gesamte Wertschöpfungskette – vom Engineering über die Fertigung und Montage bis zu Service und Instand-haltung – und das ohne Medienbrüche. Das gilt für Schaltpläne ebenso wie für den Schaltschrankaufbau und bezieht auch die Fluidtechnik – wenn sie mit Eplan geplant wurde – mit ein. Eine erste Option für die cloudgestützte Kollaboration, die kostenfrei ist, wenn der Anwender in der Cloud-Umgebung von Eplan registriert ist.

Zugleich kann der Anwender neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit nutzen. Denn die aktuellste Version des Tools beinhaltet AR-Funktionalität durch eine Kombination mit der kostenlosen Vuforia App von PTC. Das bedeutet: Der Schaltschrankbauer kann das virtuelle Modell des projektierten Schaltschranks – der real noch gar nicht existiert – in der realen Umgebung beim Kunden oder Endanwender vorstellen. Das ist mehr als ein Marketing-Instrument, denn so kann der Kunde feststellen, wie sich der Schaltschrank in die Produktionsumgebung integriert.

Projekte in der Cloud managen

Modernes Look and Feel: Heutige Bedienoberflächen weisen Multifunktionsleisten mit moderner Ribbon-Technik auf, die sich der jeweiligen Anwendung flexibel anpassen. Das Bild zeigt die neue Eplan Plattform 2022.

© Eplan

Vor der Nutzung kommt das Hochladen in die Cloud. Das geschieht mit Eplan eManage, das ebenfalls bereits in einer kostenlosen Version zur Verfügung steht. Mit diesem Tool schickt der Anwender das Projekt der Eplan-Plattform in die sichere Cloud-Umgebung. Ebenso kann er die Rechtevergabe darüber organisieren und unternehmensübergreifende Review-Prozesse digital umsetzen. Die Vollversion erlaubt zudem die Synchronisation des Projektes mit allen am Prozess Beteiligten.

Ein ergänzender Baustein solcher Software-Lösungen sind vorgefertigte Bibliotheken, die ein weitgehend automatisiertes Erstellen von Schaltplänen erlauben. Eplan etwa hat solche Bibliotheken gemeinsam mit Partnern wie Phoenix Contact entwickelt, weshalb sie auch eine große Bandbreite an Funktionen und Komponenten umfassen. Solche Bibliotheken lassen sich aber meist zusätzlich selbst erstellen und an die eigenen, individuellen Anforderungen anpassen. Wie intelligent ein solch automatisiertes Elektro-Engineering heute ist, zeigt ein Beispiel: Wenn der Anwender eingibt, dass der Schaltplan nach dem US-amerikanischen UL- Standard erstellt werden soll, berücksichtigt die Software eBuild von Eplan automatisch sämtliche UL-Vorgaben, etwa für die Auslegung einer Motorsteuerung, und erstellt zugleich die er- forderlichen UL-konformen Nachweise.

Thomas Michels ist Senior Director Cloud Business Software bei Eplan.

© Eplan

Daten bereitstellen – über die Konstruktion hinaus

Das cloudbasierte Elektro-Engineering bietet also jedem Beteiligten an der Wertschöpfungskette des Schaltschrankbaus Vorteile. Diese Vorteile resultieren zum einen aus einem perfekten Zusammenspiel zwischen Desktop- und cloudbasierten Engineering-Lösungen. Dabei sind die Werkzeuge jeweils exakt auf die Aufgabenstellung des jeweiligen Anwenders zugeschnitten und insbesondere die cloudbasierten Applikationen auf einfachste Art und Weise direkt im Zugriff.

Thomas Weichsel ist Leiter Produktmanagement bei Eplan.

© Eplan

Zweitens aber bietet die Datenablage in der Cloud erhebliche Vorteile, weil die Projektdaten übergreifend bereitstehen. Und eben dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten der Datennutzung – weit über die Projektierungsphase hinaus. Künftig werden die während des Elektro-Engineerings und des Schaltschrankbaus erstellten Daten im Sinne des Product Lifecycle Management (PLM) über die gesamte Lebensdauer der Anlage genutzt, aktualisiert und gepflegt – als ‚digitaler Zwilling‘ der realen Anlage. Und das eröffnet dem Schaltschrankbauer auch die Möglichkeit, neue Geschäftsfelder wie die kontinuierliche Datenpflege bei Bestandsanlagen zu erschließen.

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