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Artikel und Hintergründe zum Thema

Harting

Dietmar Harting | Andrea Gillhuber,

Auf dem Weg zur Autarkie

Bis 2030 möchte Harting klimaneutral sein und außerdem seine Energieabhängigkeit reduzieren. Aus diesem Grund investiert das Unternehmen in eine Biogasanlage sowie erneuerbare Energien.

Im Rahmen einer Harting-Pressekonferenz in der Biogasanlage in Uchte sprach Dietmar Harting über seine Motivation, in erneuerbare Energien zu investieren.

© WBM

Begonnen hat es eigentlich mit Dietmar Hartings Leidenschaft für Landwirtschaft: Neben der Führung des Familienunternehmens kaufte Harting 1996 einen Hof und bewirtschaftete ihn mit einem Team. Als im Jahr 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz verabschiedet wurde, begann er dort mit einem Schweinestall und dem Bau einer Biogasanlage mit 0,5 MW, die für die Stromerzeugung des landwirtschaftlichen Betriebs genutzt wurde. Im Jahr 2011 gründete Dietmar Harting dannn die Firma ZEA Green Energy und kaufte ein Grundstück direkt an einer örtlichen Gasleitung in Uchte, auf dem er eine Biomethananlage mit Gasaufbereitung errichtete. Die in der 3-MW-Anlage eingesetzte Biomasse stammt zu 90 % aus dem eigenen Anbau. Das daraus gewonnene und aufbereitete Biomethan in Erdgasqualität wird direkt in die örtliche Gasleitung eingespeist und auch von der Firma Harting am Standort Espelkamp in 30 km Entfernung genutzt. Seit 2019 wird die gesamte Produktion dort mit Biogas beheizt, auch wenn dies teurer ist als Erdgas, wie Dietmar Harting sagt. Auch unter der Führung von Philip Harting setzt der Steckerspezialist weiter auf Biomethan.

Aufgrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wurde in Deutschland öffentlich über eine mögliche Gasmangellage diskutiert. In einem solchen Fall kann die Bundesrepublik Gas aus dem öffentlichen Netz beschlagnahmen. Auch das in Uchte produzierte Biogas wäre betroffen – und das hätte Auswirkungen auf die Harting-Produktion. Um die Versorgungs- und Produktionssicherheit zu gewährleisten, hat die Unternehmensgruppe deshalb Anfang dieses Jahres einen zweistelligen Millionenbetrag in eine eigene Biogasanlage am Standort Espelkamp investiert. Die Gasversorgung soll dann nicht mehr über das öffentliche Gasnetz erfolgen, sondern über eine direkte Pipeline. Das lokal produzierte Biomethan soll in den Energiezentralen der Werke 2 und 3 für die Strom- und Wärmeerzeugung und in Zukunft auch für den Betrieb der Aluminiumschmelzöfen genutzt werden. Das flüssige Aluminium wird für den Druckguss der Steckergehäuse benötigt. Zudem soll das öffentliche Schwimmbad in Espelkamp mit Hilfe der lokalen Biogasanlage beheizt werden.

Biomethan ist nur ein Schritt Hartings auf dem Weg zu Klimaneutralität und Autarkie. Auch die Stromversorgung soll größtenteils über erneuerbare Energien erfolgen. Hier arbeitet die Unternehmensgruppe mit der Firma Dietmar Harting Windkraft zusammen. Diese plant, 2024 sechs alte Windkraftanlagen mit je 500 kW durch drei Windkraftanlagen mit je 4,2 MW zu ersetzen. Der prognostizierte Jahresertrag: 27 Millionen kWh. Zudem soll innerhalb der nächsten drei Jahre auf einer Fläche von 14,5 Hektar eine Freiland-PV-Anlage errichtet werden, so Dietmar Harting. Der prognostizierte Jahresertrag hier beträgt 14,5 Millionen kWh. Der Vorteil der Wind-Sonnen-Kombination: Die Ertragskurven können aufeinander abgeglichen werden. Der höchste Windertrag ergibt sich von Herbst bis Frühjahr, die höchste Sonneneinstrahlung erfolgt im Sommer.

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