Interview mit Christoph Baschnagel, Dunkermotoren
Predictive Maintenance ohne Sensoren
Die Zustandsüberwachung erfolgt direkt im Motor: Ein Algorithmus analysiert permanent Betriebsdaten, erweitert durch Nexolink um Anlageninformationen. So entsteht ein flexibles System ohne Zusatzsensoren. Christoph Baschnagel von Dunkermotoren erläutert die Details.
Wie genau funktioniert die Zustandsüberwachung von Motoren in der Praxis? Welche Rolle spielt ‚Nexofox‘ im Gesamtkonzept und wie erweitert es die Funktionen von ‚Nexolink‘?
Die Zustandsüberwachung erfolgt direkt aus dem Motor heraus. Ein Algorithmus analysiert kontinuierlich den aktuellen Zustand und übermittelt die gewonnenen Informationen an verschiedene Empfänger. Nexofox hat die vollständige Entwicklung dieses Algorithmus übernommen.
Durch den Einsatz von Nexolink lässt sich die Zustandsüberwachung über die reine Antriebseinheit hinaus erweitern. Während der Testphase der Anlage können mit Nexolink Daten aufgezeichnet werden, die wiederum in den Algorithmus einfließen und dessen Genauigkeit verbessern. So kann auch das durch den Motor bewegte Anbauteil auf seine Funktion hin überwacht werden. Veränderungen werden erkannt und ebenfalls an definierte Empfänger weitergeleitet. Darüber hinaus bietet Nexolink die Möglichkeit, bei komplexeren Analysen wie dem Einsatz neuronaler Netze zusätzliche Daten bereitzustellen und den steigenden Speicherbedarf zu decken.
Nexolink ermöglicht zudem die Anbindung an IT-Systeme, die typischerweise über Schnittstellen wie OPC UA oder MQTT kommunizieren – im Gegensatz zu klassischen Feldbus-Systemen wie beispielsweise Profinet oder CANopen.
Wie werden die erfassten Betriebs- und Sensordaten ausgewertet, lokal im Gerät oder in der Cloud?
Die Auswertung der Daten erfolgt grundsätzlich lokal im Gerät. Es liegt vollständig in der Hand des Anwenders, ob und wohin er die Daten weiterleitet, etwa in eine Cloud oder ein übergeordnetes System.
Inwiefern unterscheidet sich die Lösung von anderen Predictive-Maintenance-Lösungen am Markt?
Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist, dass keine zusätzliche Sensorik wie Vibrations- oder Temperatursensoren erforderlich ist. Der Motor übernimmt sowohl die Antriebsfunktion als auch die Zustandsüberwachung. Er bildet somit das zentrale Element der Lösung.
Können Kunden die Wartungsintervalle selbst anpassen oder erfolgt das automatisch durch das System?
Der aktuelle Systemstand ermöglicht eine automatische Erkennung verschiedener Zustände, insbesondere bei Komponenten, die direkt von Dunkermotoren stammen, wie zum Beispiel Getriebe.
Erweitert der Kunde das System um die Überwachung von Anbauteilen, sind wir in der Lage, den Verschleißzustand der jeweiligen Komponente direkt auszugeben Durch die kundenspezifische Definition von Zuständen lassen sich zudem individuelle Serviceaktionen hinterlegen, sodass Wartungsstrategien flexibel an die Anforderungen des Kunden angepasst werden können. Perspektivisch ist es denkbar, dass auch bei Komponenten wie Getrieben eine kundenspezifische Definition von Zuständen und entsprechenden Serviceaktionen möglich wird.










