Nachgehakt bei Thomas Hartmann: "Groß und agil"

Im Juni 2017 stellte die Firma Reply bei ihrer Veranstaltung Xchange einen Auszug aus ihrem Produktportfolio aus den unterschiedlichsten Segmenten vor – von Industrie 4.0 über Chatbots bis hin zu VR-Games. Wie das Unternehmen agiert, verrät Vorstand Dr. Thomas Hartmann.

Thomas Hartmann, Vorstand von Reply Bildquelle: © Reply

"Wir analysieren und adaptieren permanent neue Trends sowie Marktentwicklungen", so Thomas Hartmann, Vorstand des Unternehmens Reply.

Herr Hartmann, wie sieht die Unternehmensstrategie von Reply aus?

Hartmann: Wir sind in den Bereichen Consulting, Systemintegration und Digital Services tätig und auf die Entwicklung, Gestaltung sowie Umsetzung von Lösungen auf Grundlage neuester Technologien spezialisiert. Reply arbeitet zusammen mit Industriekonzernen an der Definition und Entwicklung von Geschäftsmodellen, die durch Trends wie Big Data, Cloud-Computing, digitale Kommunikation und das IoT möglich werden. So optimieren und vernetzen wir Unternehmen, Prozesse, Anwendungen und Endgeräte.

Wie ist ihr Konzern strukturiert?

Hartmann:  Der Konzern ist als Netzwerk von Firmen aufgebaut, die sich im Besitz von Reply befinden, jedoch relativ eigenständig am Markt agieren. Geleitet werden diese Einheiten von Geschäftsführern, die Partner von Reply sind. International umfasst das Reply-Netzwerk etwa 100 Firmen. Zusammen decken sie zahlreiche Branchen und Technologien ab.

Mit diesem Netzwerk kleiner, hoch spezialisierter Unternehmen verbinden wir Agilität und Flexibilität mit den Stärken eines großen Unternehmens. Innerhalb ihrer spezifischen Kompetenznische können sich diese Einheiten ganz auf ihr operatives Geschäft konzentrieren, denn in Verwaltungsaufgaben werden sie durch zentrale Services der Holding unterstützt. Diese Struktur gewährleistet die Antizipation von Marktentwicklungen und die frühzeitige Interpretation neuer Technologien. Unsere große Stärke ist es, Innovationen auf die Bedürfnisse der Kunden auszurichten.

Wie viele Mitarbeiter sind in den unterschiedlichen Teams beschäftigt?

Hartmann: In Deutschland allein existieren 26 Tochterunternehmen, international sind es rund 100. Diese spezialisierten Einheiten haben in der Regel nicht mehr als 100 bis 150 Mitarbeiter. Insgesamt hat Reply rund 6200 Mitarbeiter, in Deutschland sind es etwa 1000. Dabei sind die Tochterfirmen jeweils für ein spezielles Technologiethema oder eine spezielle Aufgabe zuständig, beispielsweise die Beratung in einer Branche, die agile Entwicklung von Applikationen oder die Integration von Anwendungen. Aufträge werden oftmals federführend an ein Unternehmen aus der Gruppe vergeben, das die nötigen Lösungsbausteine und Ressourcen innerhalb der Gruppe zusammenstellt.

Bei Bedarf werden neue Tochterfirmen gegründet, aufgekauft oder in Start-ups investiert. Zusätzlich werden Ideen in unserem eigenen Start-up-Inkubator Breed Reply zur Marktreife entwickelt.

In welchen Ländern ist das Unternehmen vorrangig tätig?

Hartmann: Bislang erwirtschaftet das in Turin ansässige Unternehmen einen Großteil seines Umsatzes in Italien. Aus Deutschland kommt derzeit etwa ein Fünftel des Umsatzes. Weitere Niederlassungen gibt es in Großbritannien, den Benelux-Staaten sowie in den USA und in China. 2016 betrug der Konzernumsatz 780,7 Mio. Euro.

Setzt Reply auf eigens entwickelte Produkte oder auf Produkte von Fremdfirmen?

Hartmann:  Die Unternehmen der Reply-Gruppe halten Partnerschaften zu führenden Software- und Technologieanbietern wie etwa SAP, Microsoft, Oracle, Salesforce, Google und Amazon Web Services. Die auf den jeweiligen Anbieter spezialisierten Tochterunternehmen bieten auch klassische Systemintegrationsleistungen an. Darüber hinaus liefert Reply eigene Softwarelösungen, etwa im Bereich Produktion und Logistik, oder sogenannte Acceleratoren für eine schnelle und effiziente Umsetzung.

Welche Bereiche sind für die Fertigung interessant?

Hartmann:  Wichtige Standbeine sind derzeit Industrie 4.0 und die auf Micro-Services basierende Manufacturing-Operations-Management-Plattform Brick Reply. Im Bereich Intralogistik arbeitet Reply mit Herstellern zusammen, die beispielsweise Teile mit Hilfe eines automatisierten Fahrzeugs im richtigen Moment an die Produktion bringen. Und in Kooperation mit der Universität St. Gallen und einem Gabelstaplerhersteller ist eine intelligente Lösung für das Flottenmanagement entstanden. Zur Reply-Gruppe gehören auch Unternehmen, die im Bereich Augmented und Virtual Reality oder 3D-Print unterwegs sind.