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McKinsey-Studie: Industrie 4.0 - Ernüchterung nach dem Hype

Auch wenn neun von zehn Unternehmen Industrie 4.0 als Chance sehen, haben viele Unternehmen bis heute weder entsprechende Strategie noch Verantwortlichkeiten definiert. Zu diesem Fazit kommt die Studie 'Industry 4.0 after the initial hype' von McKinsey&Company.

Industrie 4.0 ist auf der Hannover Messe 2015 allgegenwärtig Bildquelle: © Deutsche Messe

Um die Barrieren bei der Umsetzung von Industrie 4.0 zu überwinden, braucht es McKinsey zufolge ein klares Bekenntnis der Vorstandsebene zu diesem Vorhaben. Bisher zeigt die Studie noch ein anderes Bild: In nur 19 % der deutschen Unternehmen verantwortet der CEO selbst die Strategie zu Industrie 4.0.

Laut der aktuellen Studie, die auf einer ähnlichen Untersuchung aus dem vergangenen Jahr aufbaut, haben 44 % der Unternehmen in Deutschland im vergangenen Jahr keine oder nur begrenzte Fortschritte beim Thema Industrie 4.0 gemacht. Nur gut jedes zehnte Unternehmen gibt an, Industrie-4.0-Anwendungen und -strategien bereits vollständig implementiert zu haben. Für die Studie wurden 300 Entscheider aus der Industrie in Deutschland, USA und Japan befragt.

Eine weitere Erkenntnis: 70 % der Nachzügler haben weder Strategie noch Verantwortlichkeiten definiert. Das Fazit von McKinsey-Partner Dominik Wee, einem der Autoren der Studie: "Wir erleben eine gewisse Ernüchterung beim Thema Industrie 4.0. Zwar haben fast alle Unternehmen die Dringlichkeit erkannt. Doch nur wenige ziehen bereits heute produktiven Nutzen aus Industrie-4.0-Anwendungen wie der Analyse großer Datenmengen, dem 3D-Druck oder haben gar ihr Geschäftsmodell an die Veränderungen durch die Digitalisierung angepasst". Dennoch ist die deutsche Industrie weiterhin optimistisch: 92 % der Firmen geben an, Industrie 4.0 als Chance und nicht als Bedrohung zu sehen. Jedes zweite Unternehmen in Deutschland geht außerdem davon aus, die Wettbewerbsfähigkeit durch Industrie 4.0 zu steigern. Sie rechnen mit durchschnittlich je 10 % Kostenverbesserung und Umsatzwachstum.

Dominik Wee zufolge "sind es derzeit oft sehr triviale Hindernisse, die der Umsetzung von Industrie 4.0 im Weg stehen." Dazu gehören vor allem:

  • Nach wie vor ist in vielen Unternehmen ein Silodenken zwischen Produktions-, Entwicklungs-, IT- und Finanzabteilung verbreitet. Das erschwert die Koordinierung von Industrie-4.0-Projekten über die gesamte Organisation.
  • In vielen Firmen fehlt es an Mut, notwendige radikale Veränderungen anzugehen.
  • Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, Mitarbeiter mit neuen Qualifikationsprofilen – wie beispielsweise Data Scientists – zu gewinnen.
  • Die Implementierung von Industrie-4.0-Anwendungen erfordert häufig die Zusammenarbeit mit Partnern, wie zum Beispiel Softwareanbietern. Viele Unternehmen haben Bedenken zur IT-Sicherheit im Netzwerk des Partners oder im Transit. Daher zögern sie, ihre Daten zu teilen.
  • Vielen Organisationen fällt es schwer, notwendige größere Investitionen in die IT-Architektur zu rechtfertigen, wenn die möglichen Erlöse durch Industrie 4.0 noch nicht zu beziffern sind.

Die vollständige Studie stellt Computer&AUTOMATION in der Whitepaper-Rubrik zum Download bereit.