VDMA Leitfaden : Das Bediengerät von morgen

Die Bediengeräte sind zentrales Fenster zur Maschine oder Anlage. Dieses Fenster ist derzeit einem radikalen Wandel unterworfen – nicht zuletzt durch die Trends aus der Welt der Smart Devices. Der VDMA hat jetzt einen Leitfaden erarbeitet, der die Anforderungen aufzeigt, denen die neue Generation an HMIs gerecht werden muss.

Bediengeräte zu Smart Devices Bildquelle: © Smart HMI

Die Dominanz von Windows als Betriebssystem ist gebrochen. Der VDMA-Leitfaden „Smart Devices in der Industrie“, der dieser Tage erscheint, stellt fest: Smart Devices wie Tablets und Smartphones haben den Markt erobert. Sie haben sich in den letzten Jahren in unseren Alltag geschlichen und sind inzwischen für viele Nutzer zu unverzichtbaren Gefährten geworden. Zahlreiche Studien und Statistiken beweisen: Die allgegenwärtigen Smart Devices haben bereits zu großen Verhaltensänderungen geführt. Und sie prägen in zunehmendem Maße die Erwartung der Nutzer in Bezug auf Bedienung und grafischer Gestaltung aktueller HMIs (Human Machine Interface) sowie gegenüber dem Nutzungserlebnis.

Dazu kommt die Vision der Industrie 4.0. Hier verschmelzen reale Produktionswelt und virtuelle Datenwelt. Intelligente Werkstücke, Werkzeuge oder Werkstückträger sind in der Lage, die Produktion selbstständig zu steuern, und schaffen so ein sich selbstorganisierendes Umfeld. Auch hier muss der Benutzer bedienen und beobachten, nur anders: Seine Arbeitsweise verändert sich, vom „Bedienen und Beobachten“ an einer festen Maschine, auf der nur ein bestimmtes Produkt produziert wird, zum „Steuern und Planen“ für mehrere Maschinen und für viele Produkte. Dabei werden Maschinen und Anlagen immer flexibler eingesetzt. Dies erfordert modular aufgebaute und skalierbare HMIs anstatt monolithischer Lösungen, aufgebaut aus einheitlichen und wiederverwendbaren Komponenten.

Diese Veränderungen sind nur Vorboten von dem, was die industrielle Software-Entwicklung in den nächsten Jahren erwartet. Deren Konstante wird der Wandel sein. Dem gegenüber stehen in der Industrie jedoch Produktlaufzeiten von zehn bis zwölf Jahren – auch für die Software beziehungsweise HMI. Eigentlich ein Unding, denn kein Hersteller kann es sich erlauben, Innovationen mit solch großen zeitlichen Abständen auf den Markt zu bringen. Technisch und qualitativ hochwertige Produkte reichen in einem globalisierten Wettbewerb nicht mehr aus, um eine langfristige Kundenbindung zu erzielen. In den Vordergrund treten zunehmend Begeisterungsmerkmale und positive Nutzererfahrungen, wie kurzfristige Reaktionen auf Veränderungen am Markt oder individuelle Anpassungen an spezielle Kundenwünsche. Und das alles soll kostengünstig realisierbar sein, denn der Mangel an Fachkräften bei der Software-Entwicklung erfordert einen schonenden Umgang mit den Entwicklungs-Ressourcen.

Mit Blick auf diese Großwetterlage ergibt sich für die neue Generation der HMI-Visualisierung ein klarer Anforderungskatalog. Eine zentrale Forderung ist die vollumfängliche Unterstützung der mobilen Smart Devices wie Tablets und Smartphones, um diese für die Produkte und Prozesse der Industrie einzusetzen. Das ist leicht gesagt, in der Praxis aber durchaus eine Herausforderung, wie der Arbeitskreis zum VDMA-Leitfaden festgestellt hat. Dort wurden neben der Frage nach den passenden Anwendungsszenarien und der Sicherheitstechnik vor allem die Themen „Konzeption und Gestaltung“, sowie „Entwicklung“ der HMIs diskutiert.