Steuern&Antreiben

Die Automatisierungstechnik hinter dem Tarzan-Musical

Teil 4: Über 600 Einsatzbefehle

Um in der Show und im Einrichtbetrieb die größtmögliche Sicherheit zu gewähren, ist zusätzlich zur Sicherheitstechnik eine einfache und übersichtliche Bedienung unerlässlich. Bei „Tarzan" erfolgt diese an zwei getrennten Bedienpulten für die Obermaschinerie und die Szenentechnik. Das Bedienkonzept des STC-Navigators reduziert die Bedienelemente auf ein Minimum.

Tarzan-Musical, Bedienpult
Fülling und Partner

Alles unter Kontrolle: Der Techniker steuert über Fahrhebel, Cue-Tasten und Touchscreen-Anzeigen am Bedienpult die programmierten Bewegungen auf der Bühne.

Vier Fahrhebel, neun Cue-Start-Stopp-Tasten, ein Reset-Taster und ein Bypass von Not-End-Schaltern sind auf dem Bedienpult angeordnet. Alle weiteren Funktionen sind auf zwei großen Bildschirmen mit berührungsempfindlicher Bedienoberfläche verlagert und dort zentral erreichbar.

Die Bedienoberfläche selbst lässt sich individuell gestalten und gestattet eine einheitliche Steuerung aller Antriebsarten von der Untermaschinerie bis zum Schnürboden. Überdies enthält das Programm Fahrtabellen, eine Motordatenanzeige und verschiedene Fehleranalysesysteme, darunter ein Expertensystem, das auftretende Fehler nicht nur signalisiert, sondern sie sofort analysiert und die Fehlerursache rückmeldet. Sämtliche Daten stehen auch für die Fernwartung zur Verfügung.

Tarzan-Musical, Bühnentechnik, Bedienoberfläche STC-Navigator
Fülling und Partner

Über die individuell gestaltbare Bedienoberfläche des STC-Navigators sind alle Funktionen und Informationen der Bühne und der Antriebe von den Bildschirmen aus zu erreichen.

Mit einem Blick erhält der Bediener alle wichtigen Informationen und kann sich so ganz auf die Kontrolle des aktuellen Geschehens auf der Bühne konzentrieren. Das gesamte Musical ist in Einzelschritte unterteilt, deren Abfolge im Programm in einer Cue-Liste festgelegt ist. So ist auch die Flugbahn jedes einzelnen Darstellers, abgestimmt auf sein Gewicht, in der Steuerung programmiert. Erhält der Bediener den entsprechenden Einsatzbefehl, drückt er die zugehörige Cue-Taste am Bedienpult und die Antriebe setzen sich in Bewegung.

Fällt ein Darsteller aus, muss die Änderung im Programm eingeben werden, damit der Ersatzmann nicht unsanft auf der Bühne oder gar im Zuschauerraum landet. Während der Aufführung erhalten Darsteller und Techniker über 600 Einsatzbefehle, davon sind 130 für die szenischen Verwandlungen auf der Bühne bestimmt. Allein 300 Einsätze werden für die Flugbewegungen gegeben. Dabei ist die Cue- Abfolge teilweise so schnell, dass die Anweisungen nur noch über Lichtimpulse einer Lichtzeichenanlage weitergegeben werden können.

Autor: Dr. Norbert Poßberg ist freier Fachjournalist in Ratingen.

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