Nachrichten / Managementebene / Konstruktion/Projektierung
12.Mär.2010
Engineering-Plattform
Comos Anwendertreffen wirft erste digitale SchattenAnzeige
Rund 20 Vorträge spannten den Bogen über Anwenderlösungen in den verschiedenen Prozessindustrien und der Fabrikautomation, angereichert mit Beiträgen über neue Funktionsmodule, die im Rahmen des nächsten Comos-Release bereit stehen, darunter ein Job-Modul zur Planung und Steuerung von Inbetriebnahmen.
Im Sommer steht mit dem Release von Comos 9.1 auch der überarbeitete Automation Designer zur Verfügung. Zur SPS folgt dann die nächste Ausbaustufe mit einer Kopplung zu Teamcenter und Unterstützung der Automation-ML.
Die Vision der Digitalen Fabrik war ein wichtiger Aspekt während der zweitägigen Veranstaltung in der Münchner Allianz-Arena am 10. und 11. März. Siemens treibt das Thema seit der Milliarden-Übernahme von UGS im Jahr 2007 voran. „Bis das Thema Digitale Fabrik in der Breite bei den Anwendern angekommen ist, wird es zehn Jahre dauern," zeigt sich Ralf-Michael Franke, Geschäftsführer der Siemens Division Industrial Automation, durchaus realistisch. Allerdings gebe es keine Alternative, um Zeit und Kosten für die Entwicklung und Erstellung der immer komplexeren Fertigungsanlagen in den Griff zu bekommen. „Ziel ist, dass jede Maschine und Anlage ihr digitales Spiegelbild in der virtuellen Welt hat," sagt Franke.
Digitales Spiegelbild heißt: Mechanik-, Elektrik, Hard- und Software sind komplett in einem Datenmodell abgebildet, das bei jeder Änderung in der realen Anlage zeitnah nachgeführt wird. Dr. Wolfgang Schlögl, Leiter Digital Engineering bei Siemens, skizzierte den Weg dorthin.
„Den ersten Schritt machen wir im Sommer mit dem Release des Automation-Designers auf Basis der Comos-Version 9.1." Neben Step7, dem so genannten Sequence-Designer, HMI- und Hardware-Konfiguratoren steht dann neben dem bereits integrierten E-CAD auch eine optionale Integrationslösung für das Elektro-CAE der Firma Eplan zur Verfügung.
Protagonisten der digitalen Fabrik: Dr. Wolfgang Schlögl, Siemens (l.), und Jürgen Kübler von Mercedes-Benz, am Rande des Comos-Anwendertreffens.
Den ersten digitalen Schatten wirft ein gemeinsam von Siemens und Mercedes-Benz realisiertes Projekt: Der Rohbau für die A- und B-Klasse im Werk Raststatt wird mit dem Automation Designer geplant. Den elektrotechnischen Part übernimmt dabei die Siemens-Tochter im österreichischen Linz.
„Digitales Engineering erfordert ein radikales Umdenken aller Beteiligten - vom Planer ebenso wie vom Konstrukteur und den Entwicklern", skizziert Jürgen Kübler einen kaum beachteten aber essenziellen Aspekt. Kübler ist bei Mercedes-Benz für innovative Steuerungstechnologien zuständig.
Bei dem parallel zum klassischen Planungsansatz aufgesetzten digitalen Engineering arbeiten erstmals alle Gewerke gleichzeitig am Projekt und nicht wie bisher üblich zeitversetzt mit unterschiedlichen Datenstrukturen. „Sämtliche Ingenieure greifen über VPN und Citrix-Clients auf die Datenbank des Automation Designer auf unserem Server zu", präzisiert Kübler, „und setzen damit auf einer einzigen, für alle verbindlichen Datenbasis auf." Das vermeidet unterschiedliche Datenbestände - mit die häufigste Ursache für Planungsfehler, Projektverzögerungen und Budgetprobleme.
Nur eine durchgängige Sicht über alle Stufen der Produktion ermöglicht eine kürzere Realisierungszeit.
Diese zentrale Datenhaltung macht die Arbeitsleistung aller Projektpartner vollkommen transparent. „Finanzielle Nachforderungen wegen Detailänderungen am laufenden Projekt sind dann nur noch schwierig umzusetzen, da wir sehen, ob ein Lieferant mit dem entsprechenden Anlagenteil bereits begonnen hatte", sagt Kübler. Diese Art der Kosteneinsparungen sei aber gar nicht das Ziel. Fehler vermeiden und dadurch die Qualität der Planung insgesamt steigern lautet die Devise: Das spart bei allen Beteiligten Zeit und damit Kosten.
Dass es nie die Absicht von Siemens war, Comos nach der Übernahme ausschließlich für Siemens-Systeme zu nutzen, zeigen die diversen Schnittstellen und Integrationsmöglichkeiten von Comos. „Wir wollen über PCS 7 advanced ES die Daten des Basis-Engineerings später in der Automation wieder verwenden", sagt Helmut von Au, Produktmanager PCS 7. Neben der Anbindung des Siemens-Leitsystems unterstützt Comos auch andere Systeme.
Ein weiteres Indiz für die Offenheit skizziert Schlögl: „Wir arbeiten an einem IEC-Generator, mit dem sich auch andere Steuerungstypen in der virtuellen Welt abbilden lassen." Andere Tools lassen sich über die Automation-ML einbinden. Eine entsprechende Import/Export-Schnittstelle wird mit der nächsten Ausbaustufe Ende 2010 zur Verfügung stehen, ebenso die Kopplung zur PLM-Lösung Teamcenter.
Bei tropischen Temperaturen trafen sich in der Wappenhalle des alten Münchner Flughafens Riem über 600 Marketing-Entscheider und Manager aus der Elektronik-Branche, Automatisierung und ITK - und feierten beim Sommernachtsfest der WEKA FACHMEDIEN bis in die frühen Morgenstunden.
Sie erhalten regelmäßig wöchentlich wichtige Meldungen aus der Branche.
Probelesen!
Sondernewsletter vom 29.07.2010
Mitmachen!

Bilderstrecken rund um die Automatisierung und die WEKA FACHMEDIEN.
Fotoausstellung „Deutsche Technikstraße“
Impressionen aus der Embedded-Szene
Das "who is who" der Automatisierungs-branche - ergänzt um einige Angaben zu den Köpfen.
Bereich Managementebene:
Die Vorteile induktiver Entwicklung
