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Nachgehakt bei Wolfgang Schenk: Die Embedded-Strategie von Hirschmann

Mit Profinet, Ethernet/IP und Co. wird Ethernet die Fertigung bis ins letzte Maschinenbett durchdringen. Rosige Aussichten für Anbieter von Netzwerk-Komponenten, wäre da nicht die Linientopologie. Dadurch wandern die klassischen Switch-Funktionen eines Switch direkt in die Steuerungen und Endgeräte. Bricht Netzwerk- und Ethernet-Spezialisten wie Hirschmann damit der Markt weg? Wolfgang Schenk erläutert die Strategie der Belden-Marke Hirschmann.

Wolfgang Schenk Bildquelle: © Belden

Mit der Embedded-Strategie machen wir unsere Security- und Diagnosefunktionen

für Linientopologien und Endgeräte verfügbar.

Herr Schenk: Wie sehen die Prognosen bei klassischen Industrial-Netzwerk-Komponenten aus?


Schenk: Nach wie vor sehr gut. Marktforschungsinstitute wie ARC und IMS prognostizieren für die nächsten vier Jahre weltweit Wachstumsraten von jährlich 11 %. Mit einer steigenden Nachfrage rechnen wir insbesondere bei Switches mit Zulassungen für spezielle Anwendungsbereiche sowie bei Lösungen für WLAN und Security. Zudem sehen wir den Trend, dass typische Netzwerkfunktionen verstärkt in Endgeräte wandern.
Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Schenk: Wir werden unser Produktportfolio entsprechend abrunden. Mit anderen Worten: Wir bieten den Kunden die bewährte Hirschmann-Technologie als Design-in für ihre Feldbus-Komponenten und Endgeräte an. Mit unserem ersten Embedded-Modul haben wir schon mehrere Projekte gewonnen.
Es gibt bereits einige Anbieter von Kommunikationsmodulen. Wie wollen Sie ihre Komponenten von Wettbewerbsprodukten differenzieren?
Schenk: Indem wir die zunehmende Funktionalität, die künftig von einer Vernetzung erwartet wird, mittels Embedded-Lösungen in die Geräte bringen, und zwar in enger Abstimmung mit den Kunden. In unserer Embedded-Lösung steckt viel von unserem Know-how bezüglich Netzwerkmanagement, Diagnose, Security und weiteren Funktionen. Dies vereinfacht letztendlich den Betrieb und die Wartung der Komponenten und reduziert die Kosten über deren Lebenszyklus.
Viele Geräte und Komponenten haben die LAN-Schnittstelle auf dem Baseboard bereits integriert und keinen Platz für ein zusätzliches LAN-Modul. Wie wollen Sie dieses Marktsegment bedienen?
Schenk: Natürlich ist unser Augenmerk in erster Linie darauf gerichtet, unsere Module als Komponenten zu verkaufen. Denn so können wir die hohe Qualität und ein schnelles Design-in am besten gewährleisten. Sollte der Aufbau eines Geräts dies nicht zulassen, sind wir jederzeit in der Lage, andere kundenspezifische Lösungen und dazu passende Lizenzierungsmodelle anzubieten.
Technologie vorzuhalten ist eine Seite der Medaille, die Implementierung die andere.
Schenk: Das stimmt. Deshalb bauen wir unsere bisherigen Vertriebskanäle gezielt aus, beispielsweise durch das Certified-Engineering-Partner-Programm. Das erste zertifizierte Unternehmen ist der Systemintegrator „port“, der direkten Zugang zu vielen Herstellern von Feldbus-Komponenten und Endgeräten hat. Um Kunden auch direkt unterstützen zu können, bilden wir eigene Applikationsingenieure aus.
Welche Expertise muss ein Certified-Partner mitbringen und wie viele Partner hätten Sie denn gerne insgesamt?
Schenk: Das A und O ist das Know-how. Deshalb müssen Unternehmen, die ein Partner werden wollen, ihre Kompetenz in einem umfassenden Audit nachweisen. Allein deshalb bleibt die Zahl überschaubar. Wie viele Certified-Engineering-Partner es am Ende sein werden, kann ich heute noch nicht sagen.
Werden Sie auch Systeme wie Profibus oder Devicenet mit Embedded-Modulen unterstützen? 
Schenk: Belden ist mit dem Hirschmann-Produktprogramm die Industrial Ethernet Company schlechthin. Darauf werden wir uns auch künftig konzentrieren, ergänzt um Embedded-, WLAN- und Security-Lösungen. Mit Lumberg Automation besitzt Belden darüber hinaus eine umfassende Kompetenz bei Feldbussen. Auf die Strategie für dieses Produktprogramm möchte ich jetzt noch nicht näher eingehen, sondern es auf der nächsten SPS/IPC/Drives präsentieren.