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Industrie 4.0: Schluss mit dem Begriffswirrwarr

Wenn zopftragende Informatiker und Maschinenbauer im dunkelblauen Anzug aufeinandertreffen, sind Missverständnisse vorprogrammiert. Ein VDI-Ausschuss soll für Klarheit bei dem Begriff 'Industrie 4.0' sorgen.

Begriffe Industrie 4.0 Bildquelle: © Miriam Schleipen © Fraunhofer IOSB
Grafische Visualisierung des Industrie 4.0 Glossars als Tag-Cloud.

Bei Industrie 4.0 kommen Informationstechnik, Telekommunikation und Automatisierungstechnik zusammen. In diesen drei Fachgebieten existiert eine über lange Zeit gewachsene Fachterminologie mit zahlreichen speziellen Begriffen. Oft sind diese Begriffe aber auch so speziell und von Abkürzungen durchsetzt, dass Außenstehende kaum noch etwas verstehen. So kann es passieren, dass es bei Industrie 4.0 schon an der Kommunikation der Mitarbeiter untereinander scheitert, weil sie aus unterschiedlichen Fachgebieten stammen. Das sind keine guten Voraussetzungen für Standardisierung und Weiterentwicklung.

Umso wichtiger ist ein einheitliches Verständnis grundlegender Begriffe, Referenzmodelle und Architekturkonzepte. Dieses Verständis erarbeitet ein Fachausschuss unter dem Dach der VDI/VDE-Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik. Der Vorsitz über den Ausschuss hat Prof. Dr.-Ing. Ulrich Epple von der RWTH Aachen. Ziel ist ein gemeinsames Verständnis der grundlegenden Begriffe ebenso wie ein Konsens über Referenz­modelle und -architekturen.

Wer heute neue industrielle Geräte oder Anlagen entwickelt, muss für die Anforderungen der Industriekommunikation im Zeitalter von »4.0« gewappnet sein. Im zweitätigen Intensiv-Seminar bereitet Sie Prof. Dr.-Ing. Jörg Wollert auf die bevorstehenden Änderungen vor.

Termine:
14.-15. Oktober 2014, Kempinski Hotel München
11.-12. Februar 2015, Haar bei München
Info und Anmeldung: Training for Professionals

Die Arbeitsgruppe "Begriffe" unter der Leitung von Frau Dr.-Ing. Miriam Schleipen vom Fraunhofer IOSB [1] ist bemüht, eine gemeinsame Basis-Terminologie von Industrie 4.0 im Sinne sprachlicher und gedanklicher Konstrukte zu erarbeiten. Dabei wird auf bestehenden Normen und Standards aus den Bereichen IKT und Produktion aufgesetzt.

Im Umfeld von Industrie 4.0 werden Begrifflichkeiten und Konzepte aus unterschiedlichen Bereichen aufgegriffen (etwa aus dem IKT-Bereich die "Orchestrierung" von Diensten in einer service-orientierten Umgebung). Manche Begrifflichkeiten sind aber in den beteiligten Bereichen unterschiedlich besetzt: etwa Service (Dienst) im IKT-Bereich gegenüber der Produktion. Andere Begriffe sind sogar innerhalb einer Domäne mehrdeutig oder unpräzise (z.B. "Komponente"). Diese sprachlichen und konzeptionellen Unterschiede und Ungenauigkeiten, sowie der Bedarf nach Erklärungen zu "fachfremden Konzepten" sind ein Hindernis in der Entwicklung übergreifender technischer Lösungen für Industrie 4.0 und in der Normung.

Mit dem Glossar soll eine gemeinsame Basis für Begrifflichkeiten im Rahmen von Industrie 4.0 geschaffen werden, welche die unterschiedlichen Sichtweisen und Anforderungen berücksichtigt. Damit das erarbeitete Glossar auch auf Akzeptanz stößt, stimmt sich die neue Arbeitsgruppe mit dem VDI/VDE-GMA Fachausschuss "Cyber Physical Systems" und der Plattform Industrie 4.0 ab. Dies geschieht durch die Personalunion von Ausschussmitgliedern.

Damit soll die Zusammenarbeit über die Grenzen von Unternehmen und Branchen hinweg erleichtern und ist Voraussetzung für die Normung. Die ersten 19 Begriffsdefinitionen haben sind schon zur Veröffentlichung freigegeben unter der Internetseite des Fraunhofer IOSB [2].