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Robotik: Japanischer Roboter als Rettungsschwimmer

Forscher des Tokyo Institute of Technology haben mit dem 'Swumanoiden' einen schwimmenden Roboter konstruiert, der langfristig als Rettungsschwimmer eingesetzt werden soll. Auch soll er menschlichen Sportlern wertvolle Daten zur Verbesserung des Schwimmstils liefern. Ein paar Kinderkrankheiten müssen die Wissenschaftler bis zur Marktreife noch ausmerzen.

Der Körper eines menschlichen Schwimm-Athleten diente dem schwimmenden Roboter als Vorlage. Insgesamt 20 wasserdichte und PC-gesteuerte Motoren ermöglichen es dem Roboter, die menschlichen Schwimmstile zu imitieren. Besonders geschickt stellt sich der 'Swumanoid' derzeit beim Kraulen an: Pro Sekunde legt er 0,64 Meter zurück. Auch den Rücken- und Delfinstil beherrscht der sportliche Roboter bereits. Bis der 'Swumanoid' jedoch  als Rettungsschwimmer an Stränden in Aktion treten kann, wird es nach Aussage des Tokyo Institute of Technology noch einige Zeit dauern.

Derzeit tüfteln die Wissenschaftler daran, die Effizienz der Schwimmbewegungen des Roboters noch weiter zu erhöhen. Insbesondere der froschartige Beinschlag des Brust-Schwimmstils bereitet ihnen noch Kopfzerbrechen. Sie arbeiten unter anderem an verbesserten Extremitäten mit speziell angefertigten Gelenken.

Mit Sensoren ausgestattet könnte der 'Swumanoid' Sport-Athleten dabei helfen, ihren Schwimmstill zu optimieren. Damit möchten die Forscher eine Marktlücke schließen, denn der Roboter hat gegenüber dem Menschen einen Vorteil: "Sensoren an menschlichen Sportlern anzubringen, ohne sie zu behindern, ist nicht so einfach", erklärt Motomu Nakashima, Wissenschaftler am Tokyo Institute of Technology. Zudem würden Menschen müde und die Bewegungen blieben dementsprechend nicht immer exakt gleich. "Der Roboter dagegen wiederholt ohne Ermüdungserscheinungen exakt jeden vorgegebenen Bewegungsablauf. Dies ermöglicht uns die Untersuchung der Auswirkungen geringfügiger Abweichungen", so Motomu Nakashima weiter.

Zum Einsatz von 'Swumanoid' im Sporttraining äußert sich Michael Mayrholzer, Sportwissenschaftler der Universität Salzburg, kritisch: "Prinzipiell glaube ich nicht, dass Spitzensportler ihr Training nach solchen Vorgaben ausrichten sollten. Als Zubringer für einzelne Fragestellungen macht es vielleicht Sinn. Die Rolle der Individualität der Sportler darf aber nicht unterschätzt werden." Beispielsweise seien aktuell in London beim 200-Meter Brustfinale der Frauen sowohl die Siegerin als auch die Bronze-Gewinnerin keinen Lehrbuch-Stil geschwommen: Die eine machte laut Michael Mayrholzer zu kurze Züge, die andere zu lange. Eine Olympia-Medaille war ihnen schlussendlich dennoch sicher.

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Japanische Wissenschaftler arbeiten an einem schwimenden Roboter, einem 'Swumanoiden'.

Als Lebensretter scheint der schwimmende Roboter zunächst noch mehr Zuspruch zu bekommen, zumindest aus Sicht der australischen Wasserrettungsorganisation Surf Live Safing Austalia: "Wir sind sehr an neuer Technologie interessiert", betont CEO Brett Williamson. Zwar werde es immer menschliche Lebensretter geben, "aber wenn wir mit Robotern mehr Strände kontrollieren können, nehmen wir sie mit offenen Armen", so Brett Williamson. Der Bedarf wäre da, zieht man die Daten der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft heran: Nach ihren Erhebungen ertrinken pro Jahr weltweit zwischen 450.000 und 500.000 Menschen, Flutkatstrophen und Schiffsunglücke nicht berücksichtigt. In Deutschland verunfallen rund 86 % der jährlich Ertrinkenden in Binnengewässern.