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Assistenzrobotik: Serviceroboter 'Friend' steigert Lebensqualität

Lena Kredel kann weder Arme noch Beine bewegen. Dennoch nimmt sie am Berufsleben teil. Hilfreich zur Hand geht der angehenden Bibliothekarin dabei der vom Institut für Automatisierungstechnik (IAT) Bremen entwickelte Serviceroboter mit Namen Friend.

Die aus Bad Segeberg stammende Lena Kredel hat Multiple Sklerose. Trotz dieses Handicaps macht die Literaturwissenschaftlerin derzeit an der Universität Bremen eine Ausbildung zur Bibliothekarin. Das Besondere: Als Werkzeug nutzt sie den Serviceroboter 'Friend', dessen Leichtbauarm eine selbständige Interaktion mit der Umgebung ermöglicht. Robotikspezialisten des Instituts für Automatisierungstechnik (IAT) Bremen trimmen den mechatronischen Helfer aktuell so weit, dass Lena Kredel künftig in der Universitätsbibliothek selbständig Bücher katalogisieren kann.

Das Kürzel 'Friend' steht für 'functional robot arm with user-friendly interface for disabled people'. – Klingt ein klein wenig klobig und sieht auf den ersten Blick auch ein klein wenig klobig aus: Ein elektrisch angetriebener Rollstuhl, ausgestattet mit Monitor, allerhand Sensorik und - als zentrales Element - einem Leichtbauarm von Schunk. Der modular aufgebaute Greifarm verfügt über sieben Freiheitsgrade, wobei drei zur Orientierung, drei zur Positionierung und einer zur Umgehung von Hindernissen genutzt wird. Im Gegensatz zu klassischen Industrierobotern sind die Leichtbauarme gezielt darauf ausgelegt, wechselnde Tätigkeiten im unmittelbaren Umfeld des Menschen zu automatisieren. Dazu zählen Prüf- und Montageaufgaben ebenso wie der Einsatz in Assistenzsystemen.

Um auch Robotik-Laien die Bedienung des Assistenzsystems zu ermöglichen, hat das IAT mit Unterstützung von Lena Kredel eine allgemeinverständliche Bedienoberfläche zur Steuerung des Leichtbauarms entwickelt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Lag die reine Handlingzeit für ein einzelnes Buch an-fangs noch bei rund 17 Minuten, benötigt Lena Kredel heute nur noch zwischen fünf und sieben Minuten für die reine Handhabung. Das Katalogisieren dauert rund 15 Minuten. Im nächsten Schritt soll nun die Verlässlichkeit des Systems weiter erhöht werden. Das Ziel ist es, im Laufe der Zeit eine Erfolgsquote von 99,9 % zu erreichen.