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Die Automatica 2012: München im Zeichen der Robotik

Über 700 Aussteller versammeln sich vom 22. bis 25. Mai auf dem Gelände der Neuen Messe München und stellen dort im Rahmen der Automatica 2012 in fünf Hallen ihre Lösungen rund um die Robotik, die Montage- und Handhabungstechnik sowie die industrielle Bildverarbeitung aus. Dabei spiegelt die Messe unter anderem den sich abzeichnenden Trend zur direkten Kooperation des Menschen mit dem Roboter wider.

Seit vielen Jahren sind Roboter aus der Industrie nicht mehr wegzudenken. Ihre Stärken: Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer. Die Einschränkung: Ihre „Muskeln“ dürfen sie aus Sicherheitsgründen heute meist nur in separaten Zellen ausspielen. Die Zukunft ist jedoch eine andere: Immer mehr Schutzzäune werden fallen und moderne Technik – insbesondere Sicherheitstechnik – sorgt dafür, dass Mensch und Roboter Hand in Hand arbeiten können. Auf der Automatica 2012 können sich die Besucher einen Überblick verschaffen, wie weit diese Vision bereits gediehen ist.

Die Grundlagen für die Mensch-Roboter-Kooperation – kurz MRK – haben seit Jahren verschiedene Hochschulen und Institute erarbeitet. So zum Beispiel das Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart, welches zu den aktivsten Forschungseinrichtungen zählt, die sich mit sicherheitsgerichteter MRK beschäftigen. Martin Hägele, Abteilungsleiter Robotersysteme, sieht hier ein enormes Potenzial: „Der Mensch besitzt höchste kognitive Fähigkeiten, ist kreativ und kann sich schnell komplexen Situationen anpassen. Roboter hingegen besitzen eine ermüdungslose Wiederholgenauigkeit auch bei hohen Traglasten. Durch eine Zusammenarbeit lassen sich Arbeitsplätze ergonomischer gestalten und Kosten durch einen im Gesamtergebnis höheren Automatisierungsgrad senken.“

Nah an der Praxis arbeitet auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Wessling. Zum Beispiel sind dort erstmalig biomechanisch Verletzungsuntersuchungen durchgeführt worden, deren Ziel es ist, ähnlich zum Automobilbereich ein „standardisiertes Crashtestverfahren“ für Roboter zu entwickeln. Ein Highlight des Instituts ist zudem der Leichtbauroboter (LBR), welcher für einen erfolgreichen Technologietransfer steht – er wurde von Kuka weiterentwickelt und soll von dem Augsburger Roboterhersteller künftig kommerziell vermarktet werden. Die Besonderheit des LBR erklärt Dr. Sami Haddadin, Leiter der Gruppe „Human-Robot Interaction“ beim DLR: „Bei der Entwicklung des LBR haben Kuka und das DLR nicht auf die Robotertechnik aufgesetzt, sondern sind von dem Szenario ‚Mensch und Roboter arbeiten zusammen‘ ausgegangen. Dadurch haben wir die Anforderungen an den Roboter neu definiert, die sich durch Leichtbauweise und integrierte Kraft-Momenten-Sensoren am besten umsetzen lassen.“

Ein weiterer Pionier auf dem Gebiet der sicheren Mensch-Roboter-Kooperation ist Reis Robotics. Bereits Ende der 90er Jahre meldete das Unternehmen Patente an mit dem Inhalt, dass man über Software-Funktionalitäten eine sichere Reduzierung der Geschwindigkeit sowie eine personensichere Begrenzung von Arbeitsräumen gewährleisten kann – ohne die Installation trennender Schutzeinrichtungen. Über die Jahre wurden bereits verschiedenste Projekte in diesem Themenfeld realisiert.

Dass die „Sichere Mensch-Roboter-Kooperation“ nicht nur ein etabliertes Schlagwort ist, lässt sich auf der Automatica 2012 an vielen Ständen und in Sonderveranstaltungen erleben. So lautet das Schwerpunktthema auf dem Besucherforum in Halle B1 am 25. Mai „Leichte, sichere und mobile Helfer – die Zukunftstrends der Robotik“. Und auch das Fraunhofer IPA stellt in Halle B3 aktuelle Trends in der Servicerobotik vor. Roboterhersteller, Zulieferer und Forschungsinstitute zeigen hier stündlich in moderierten Live-Shows ihre Neuheiten. Für Besucher verspricht zudem der „CEO Round Table“ eine interessante Veranstaltung zu werden, zu dem die International Federation of Robotics (IFR) am 23. Mai 2012 einlädt. Hier werden die Ergebnisse zum aktuellen Weltmarkt der Industrieroboter vorgestellt. Außerdem diskutieren führende Manager von Roboterherstellern und -anwendern aus Europa, Asien und Amerika über die Herausforderungen der weltweiten Roboterindustrie.