Sie sind hier: HomeFeldebeneAntriebe

Elektromobilität: Wechsel der Antriebsart reicht nicht aus

Emeritierte Professoren äußern in einem Positionspapier: E-Mobilität allein reicht für eine Verkehrswende nicht aus.

Stau Bildquelle: © bibphoto – Shutterstock

Es wäre so wunderbar einfach und bequem: Einfach den Verbrennungsmotor gegen einen Elektromotor austauschen und schon sind alle Emissionsprobleme gelöst. Dann könnten wir unbeschwert nach Lust und Laune durch die Gegend düsen. Diesen Eindruck erweckt die derzeitige Debatte um Diesel-Fahrverbote, Umweltzonen und die Mobilitätswende an vielen Stellen, denn E-Fahrzeuge werden mit einer Kaufpräme gefördert, werden von der Kfz-Steuer freigestellt und als “emissionsfrei” bezeichnet.

In diese rosarote Sichtweise platzt nun im Angesicht der Bonner Klimakonferenz und der Jamaica-Koalitionsverhandlungen ein Papier, das von 15 emeritierten Inhabern von Verkehrslehrstühlen der deutschsprachigen Technischen Universitäten und Hochschulen unterzeichnet wurde. Sie diskutierten bei ihrem Jahrestreffen in Fulda die Entwicklungen um elektrisch angetriebene Straßenfahrzeuge. Die Gruppe sieht in der Elektromobilität langfristig Chancen zur Verbesserung des Klima- und Umweltschutzes, ruft aber dazu auf, dies in einen Gesamtzusammenhang von Verkehrs- und Siedlungspolitik zu stellen – denn der Wechsel der Antriebsart alleine würde nicht ausreichen. Insbesondere weisen die Professoren  auf ungelöste Fragen und vielfach ausgeblendete Probleme hin.

Kein Verkehr ist "emissionsfrei"

Sie bemängeln Defizite in der bisherigen Debatte und “kaum mehr nachvollziehbare Diskussionen über Abgaswerte von Dieselmotoren”, die zu einer Verengung des Themas auf die Antriebstechnik führt. Wenn Elektrofahrzeuge als  “emissionsfrei” oder “lokal emissionsfrei” bezeichnet werden, dann gewinne man den Eindruck, dass die Gesetzmäßigkeiten der Physik außer Acht gelassen werden. Tatsache sei, dass die besonders gefährlichen Emissionen, der Feinstaub, lokal auch bei E-Fahrzeugen entstehen. 85 Prozent des Feinstaubs der Größe PM10 stammt nicht aus den Motoren, sondern z.B. aus Reifen- und Bremsabrieb. Auch sei nicht nachvollziehbar, dass E-Autos als CO2-frei eingestuft werden, nur weil die elektrische Energie für den Antrieb an einem anderen Ort produziert wird.

Die derzeitige Gesetzgebung, die die Fahrzeughersteller zu einer Reduzierung des Flottenverbrauchs verpflichtet, führt dazu, dass verstärkt große und schwere Elektrofahrzeuge auf den Markt kommen, weil sich die vermeintliche Einsparung hier für die Hersteller am meisten lohne. Der zusätzliche Energieaufwand, den Größe und Gewicht verursachen, wird hingegen nicht thematisiert. Die Emissionen aus E- und Hybrid-Antrieb werden in verfälschender Weise zu null heruntergerechnet. 

Jeder technische Fortschritt kann sog. “Rebound-Effekte” auslösen. Das bedeutet, dass die Einsparung durch effizientere Fahrzeugantriebe zumindest teilweise durch intensivere Nutzung und die Anschaffung größerer und schwerer Fahrzeuge wieder ausgeglichen wird. Dieser Effekt hat auch bei konventionellen Kfz dazu geführt, dass der Kraftstoffverbrauch kaum zurückgegangen ist. Auch bei Elektrofahrzeugen wird ein derartiges Szenario bisher nicht thematisiert. Die emeritierten Professoren rufen dazu auf, Größe und Gewicht von Fahrzeugen zu besteuern.